Mobile Geflügelschlachtung: „Mit gutem Gewissen und tiergerecht“

Eine mobile Geflügelschlachtung bringt den zahlreichen kleineren Züchtern eine große Erleichterung und schließt eine Bedarfslücke.

Hygienisch, ohne Transportwege für die Tiere, kommen Metzger und „Schlachthaus“ direkt auf den Hof.
© Parth

Von Thomas Parth

Wildermieming, Innsbruck – Viel „Mut zur Wahrheit“ bewiesen gestern die Landwirtschaftskammer und der Maschinenring Tirol, als sie zum Pressetermin nach Wildermieming luden. Auf dem zertifizierten „Biohof Omesbichl“ wurden nämlich erstmals Hühner in einer speziell dafür ausgerüsteten, mit einer eigens dafür ausgebildeten Crew mobil geschlachtet.

„Die Tiere werden einzeln entnommen und durch ein Elektroschockgerät voll automatisch betäubt.“ - Martin Gröbner
 (Metzgermeister)
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Was das heißt, erklärte u. a. die Vertreterin der Landesveterinärdirektion, Daniela Scharmer: „Das Projekt einer mobilen Schlachtung von Geflügel umzusetzen, war nicht leicht. Es betrifft die Lebensmittelsicherheit und Hygiene ebenso wie den Tierschutz und die Direktvermarktung.“ Auf dem Hof von Ingrid und ihrem Sohn Philipp Knoflach leben 60 Weidegänse, 450 Legehennen in mobilen Ställen sowie 400 Masthennen, aber auch sechs Mastschweine und sechs Mutterkühe. Um 5.30 Uhr rückte nun zum Schlachttag der Anhänger des Maschinenrings an. In zwei Tranchen wurden die ausgedienten Legehennen als Suppenhennen sowie gut die Hälfte der Masthühner geschlachtet. Artgerecht und nach EU-Vorgaben, versteht sich.

In der Praxis, die ebenfalls den Kameras und Journalisten demonstriert wurde, hat sich der Tötungsprozess standardisiert. „Der Bauer fängt die Hühner in einem abgedunkelten Stall und bringt sie in einer Transportkiste bis zur Hygienesperre am Anhänger. Dort werden die Tiere einzeln entnommen und durch ein Elektroschockgerät voll automatisch betäubt“, erklärt Metzgermeister – und selbst Bauer – Martin Gröbner. „Die EU-Vorgaben sind hier sehr genau und streng. Das Betäubungsgerät zeigt auf einer Lichtskala die Stromstärke an bzw. meldet, falls ein Stromabfall auftreten würde“, ergänzt Veterinärin Scharmer. Danach folgen ein rascher, fachgerechter Tod sowie das Ausbluten der Tiere und das ebenfalls halb automatisierte Rupfen. Erst danach werden die Schlachtkörper durch ein Fenster zum Metzger gereicht. Er entnimmt die Innereien und übergibt das Biohendl dem Bauer zur Verpackung bzw. Kühlung. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Minuten, hält den Stresslevel der zu tötenden Tiere gering und erspart unnötige Tiertransporte.

„Ganz im Sinne der Transparenz, auch gegenüber unseren Kunden, wollten wir diesen Vorgang bewusst einmal demonstrieren“, bestätigt Wendelin Juen von der LK-Tirol. Er hat mit einem Team zwei Jahre lang für die mobile Schlachtmöglichkeit gekämpft. „Die Schlachtung war stets ein Problem, weil ein eigener Schlachtraum für die Bauern nur sehr schwer zu finanzieren ist“, so Juen.

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„Der Bedarf ist da. Über den Maschinenring können wir diese Leistung tirolweit anbieten.“ - Hermann Gahr 
(GF Maschinenring Tirol)
© Parth

„Für uns ist das kein Riesengeschäft“, gibt Hermann Gahr, der Geschäftsführer des Maschinenrings Tirol offen zu: „Aber der Bedarf ist da. Und dabei besteht weiter Potenzial nach oben. Über den Maschinenring können wir diese Leistung tirolweit anbieten. Eine Schlachtung von Geflügel ist recht gut planbar. Wenn sich mehrere Bauern einer Region zusammentun, erhöhen sich die Synergien.“

Neben dem Wegfall eines eigenen Schlachtraums profitieren die Bauern von der Fachkenntnis der ausgebildeten und auf Tierwohl geschulten Metzger. „Und wenn wir die Zeit mit einrechnen, die wir und unsere Helfer an Arbeitsleistung erbringen, dann rechnet es sich allemal“, bestätigt Biobäurin Ingrid Knoflach. Ihr Sohn Philipp ergänzt: „Als Bauer hast du eine Verantwortung deinen Tieren gegenüber. Nicht nur, wenn es sich um kleine süße Küken handelt, sondern auch, wenn es um die Schlachtung geht!“


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