Stéphane Degout: Schattierungen, Phantastik, Farbwechsel

Innsbruck – Stéphane Degout, das war René Jacobs’ wunderbarer Orfeo, der bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2003 unvergesslichen...

Degout 2014 als „Orest“ in „Iphigenie en Aulide et Tauride“ im Theater an der Wien.
© APA

Innsbruck – Stéphane Degout, das war René Jacobs’ wunderbarer Orfeo, der bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2003 unvergesslichen Monteverdi-Zauber bescherte. Das Ereignis wiederholte sich in Paris, und auch weiterhin arbeiteten der Dirigent und der französische Bariton zusammen, in Werken von Monteverdi und Haydn.

Degout, bei seinem Innsbruck-Debüt 28 Jahre alt, baute seine Karrier­e auf zwischen Oper und Konzertrepertoire aus Barock, Klassik und Romantik, vorwiegend französisches Repertoire. Und er verliebte sich in das Lied. Heute ist er ein führender Interpret seines Faches, offiziell bezeugt u. a. vom International Opera Award mit der Nominierung 2014 und 2016 als bester Sänger.

Meisterhaft nuancierend und vertiefend

Degouts neue CD-Einspielung mit dem Pianisten Simon Lepper heißt „Epic“, vereint folgerichtig Balladeskes und gehört zum Besten, was in letzter Zeit auf dem Liedsektor erschienen ist. Der Bariton zeigt in immer neuem, spannendem Aufbau eine Fülle an dramatischen Schattierungen, Phantastik, Farbwechsel und Hintergründigkeit. Seine Stimme fesselt in ihrem Klangreichtum und den Ausdrucksnuancen, und was sie in tadellosem Deutsch erzählt, ist gruselig. Das Programm endet auf Italienisch und inhaltlich leichter mit Franz Liszts „Tre Sonetti di Petrarca“. Der Pianist Simon Lepper illustriert die Geschichten ebenso meisterhaft nuancierend und vertiefend weiter.

Intensives Drama, ausgehend von Franz Schuberts „Der Zwerg“, jener gotischen Ballade, die berichtet, wie der Hofzwerg aus unerfüllter Liebe während einer Meeresüberfahrt seine Königin tötet. Schumanns „Belsatzar“ nach Heinrich Heine darf nicht fehlen, eingerahmt von Herders schottischem Vatermörder „Edward“, dessen Tragik in Carl Loewes wie auch Johannes Brahms’ Fassung berührt. Brahms lässt sogar die Mutter zu Wort kommen, Dame Felicity Palmer macht das großartig.

Klassik

Stéphane Degout, Simon Lepper: Epic (Lieder und Balladen).

harmonia mundi.

In „Die Nonne und der Ritter“ tritt auch das Mädchen auf – Marielou Jacquard. Robert Schumanns „Die drei Grenadiere“ und Liszts „Die drei Zigeuner“ sowie „Es war ein König in Thul­e“, gleichermaßen emotionale Abenteuer wie kluge Studien, münden in Mörik­e/Hugo Wolfs atemberaubenden „Feuerreiter“. (u.st.)


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