Kein Interesse an nachhaltigen Medikamenten: Arzt fordert Umdenken

Nicht nur die Produktion soll in Europa gehalten werden. Martin Tiefenthaler von der Innsbrucker Klinik fordert auch nachhaltig hergestellte Arzneimittel. Bisher erfolglos.

Faire Medikamente: Umweltschutz- und Arbeiternehmerschutzbestimmungen sollten auch in der Arzneimittelproduktion eingehalten werden.
© APA (dpa)

Innsbruck – Professor Martin Tiefenthaler ist Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie an der Innsbrucker Klinik und bemüht sich schon seit Jahren um ein Umdenken bei der Verschreibung von Rezepten. Dem Innsbrucker Arzt geht es um eine nachhaltige Rezeptierungsmöglichkeit (Medikation). Doch bisher stieß er mit seinem Anliegen auf taube Ohren, vom Gesundheitsministerium abwärts fühlte sich nicht wirklich jemand dafür zuständig.

Vor zwei Jahren sorgte der Rückruf von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Valsartan für Aufregung. Er wurde in einem asiatischen Land ohne dritten Reinigungsschritt produziert und war danach mit gesundheitsgefährdenden Konzentrationen von Nitrosaminen belastet.

„Es überrascht mich schon, dass sich in Österreich niemand für eine nachhaltige Medikation zuständig fühlt.“ - Martin Tiefenthaler 
(Klinik-Arzt)
© Thomas Boehm / TT

„Medikamente, die in Österreich oder in der EU vertrieben werden, sollten deshalb ein dem Fairtrade-Label analoges Emblem bekommen. Es würde zeigen, dass die Umweltschutzbestimmungen zur Produktion und die Qualitätsstandards, wie sie vom ursprünglichen Patentinhaber vorgegeben wurden, eingehalten werden“, betont Tiefenthaler. Zugleich müsse die Produktion nach den entsprechenden europäischen Arbeitnehmerschutzrichtlinien erfolgen. Tiefenthaler ist überzeugt, dass viele seiner Kolleginnen und Kollegen aus der Ärzteschaft ebenfalls gerne nachhaltige Rezepte verschreiben würden und sich in den nächsten Jahre durchaus Pharmafirmen finden könnten, „die nach diesen Kriterien die Medikamente herstellen“.

Ernüchtert ist der Mediziner jedoch über den geringen Widerhall. „Das überrascht mich schon, offenbar fühlt sich in Österreich niemand dafür zuständig.“ Nicht einmal die Arbeitnehmervertreter in der Sozialversicherung. Weil man für das konkrete Anliegen leider der falsche Ansprechpartner sei, wie Tiefenthaler etwa von der Arbeiterkammer in Wien mitgeteilt wurde. Er könne sich ja ans Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen wenden. Und das, obwohl die Kassen rund 3,5 Milliarden Euro für die Verschreibung von Medikamenten übernehmen. Im Gesundheitsministerium herrscht ebenfalls Funkstille. (pn)

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