Volle Gastgärten: Innsbrucks Gastronomie läuft besser als erwartet

Innsbrucks Lokalbetreiber haben nach dem Lockdown mit dem Schlimmsten gerechnet – und zeigen sich nun positiv überrascht. Treue Stammgäste und Touristen aus den Umlandgemeinden sind für viele die Rettung.

Die Gastgärten in der Innsbrucker Altstadt sind gut gefüllt – trotz Corona-Krise und Großbaustelle.
© Valentin Schennach

Von Denise Daum

Innsbruck – Volle Gastgärten, lachende Gesichter, geschäftige Kellner, buntes Gewusel: Trotz der Großbaustelle und nach wie vor nicht überstandener Corona-Krise sind die Lokale gut gefüllt, das Geschäft scheint zu laufen. Nur ein subjektiver Eindruck?

Nicht ganz, wie Altstadt-Hotelier und Gastronom Josef Hackl bestätigt. „Wir sind positiv überrascht. Wir haben größere Einschnitte befürchtet. Es sind tatsächlich viele Leute in der Innenstadt“, erklärt Hackl. Die Konzerte, die Dienstag, Mittwoch und Freitag an verschiedenen Orten und in Lokalen der Altstadt veranstaltet werden, ziehen Hackl zufolge vor allem Einheimische an. „Bei durchwachsenem Wetter kommen viele Touristen aus dem Umland in die Stadt“, sagt Hackl. Innsbruck selbst habe kaum Übernachtungsgäste, die Auslastung ist bescheiden. Nicht alle Lokale können von Umland-Touristen und Einheimischen leben, betont Hackl. „Gerade indische und chinesische Restaurants tun sich momentan schwer. Da fehlt einfach der internationale Gast“, weiß Hackl.

Positiv überrascht – das ist der meist gesagte Satz, wenn Innsbrucks Innenstadt-Gastronomen nach der laufenden Sommersaison gefragt werden. So auch bei Thomas Weber, der mit „Tomaselli“ drei Eisdielen in Innsbruck betreibt. „Wir haben während des Shutdowns schon befürchtet, dass wir im Sommer gar kein Geschäft haben werden. Die Entwicklung ist aber positiv.“ Die Ferienhotellerie rund um Innsbruck sei gut angelaufen, von diesen Gästen profitiere auch die Stadt-Gastronomie. Die Stimmung unter den Lokalbetreibern sei „großteils gut“, sagt Weber.

Im Restaurant Burkia außerhalb des Stadtzentrums beim Flughafen ist die Stimmung vorsichtig optimistisch. Geschäftsführer Christian Burkia berichtet von einer regelrechten Euphorie sowohl beim Personal als auch bei den Stammgästen unmittelbar nach dem Lockdown. „Alle waren froh, dass sie wieder arbeiten bzw. zum Essen kommen dürfen“, so Burkia. Bei den älteren Stammgästen sei allerdings eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Auch die Geschäftsessen seien rückläufig. „Von der Normalität sind wir noch weit entfernt. Wir waren Gott sei Dank vor dem Lockdown ein gesunder Betrieb und sind nach wie vor solide aufgestellt“, sagt Burkia.

Am anderen Ende der Stadt freut sich Anna Weber, Seniorchefin vom Ägidihof in Igls, über die große Treue der Stammgäste. „Die ersten Wochen nach dem Shutdown verliefen noch etwas zögerlich, aber langsam zieht das Geschäft wieder an“, sagt Weber. Das Ausbleiben des internationalen Gastes falle im Ägidihof nicht so sehr ins Gewicht. Auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch nicht ganz erreicht sei, blickt Weber optimistisch in die Zukunft.

Wirtschaftsstadträtin Christine Oppitz-Plörer erklärt, über jede Woche heilfroh zu sein, in der es für Innsbruck gut läuft. Wesentlich für das Gastro-Geschäft seien Freiflächen, die Stadt habe deshalb die kostenlose Erweiterung von Gastgärten ermöglicht. „Wir möchten auch Betriebe außerhalb der Innenstadt motivieren, ihre Gastgärten in Kurzparkzonen zu erweitern“, betont Oppitz-Plörer.

Jene Gastronomen, die Pächter von städtischen Gschäftsflächen sind, sichert Oppitz-Plörer Unterstützung sowie Einzellösungen zu. Von der Stadt werde niemand auf die Straße gesetzt.


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