Aus geronnener Farbe geflochtene Muster: Thomas Reinhold im artdepot

Die erste Personale am neuen Spielort des Innsbrucker artdepots ist dem Maler Thomas Reinhold gewidmet.

Ein Beispiel (Ausschnitt) aus der Ausstellung „matrix bild“ von Thomas Reinhold im artdepot.
© artdepot

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Thomas Reinholds Personale im artdepot ist für den 67-jährigen Wiener seine Tirol-Premiere, wenn auch eine Corona-bedingt um ein paar Monate verschobene, in der sich der leidenschaftliche Maler, der an der Angewandten bei Herbert Tasquil studiert hat, als sehr geläuterter ehemaliger „Neuer Wilder“ präsentiert. Mit teilweise großformatigen Leinwänden, die er am Boden liegend oder über Hocker gespannt „bemalt“. Oder konkreter gesagt, beschüttet.

Ein Vorgang, den man mit spontan Emotionalem assoziiert, in Reinholds Fall allerdings als höchst konzentrierter, kopfig gesteuerter Prozess stattfindet, bei dem das Zufällige nur eine Nebenrolle spielt, wenn auch eine wichtige. Reinhold lässt meistens zwei oder drei Farben gleichzeitig über die Leinwand rinnen. Sehr bewusst gelenkt von den unterschiedlichen Seiten der Leinwand aus, wodurch sich die Farbbahnen fast ordentlich durchkreuzen, sich partiell vermischen oder überlagern. Wie intensiv das passiert, hat mit der jeweiligen Farbe zu tun, ihrer Intensität und Deckkraft, genauso wie dem Stadium ihres Rinnens bzw. Gerinnens.

Was auf diese Weise entsteht, sind „Muster“, die teilweise fast „gittrig“ daherkommen, während andere aus farbigen Flecken lose geflochten zu sein scheinen. Indem Sequenzen in die Bildfläche eintauchen bzw. aus ihr auftauchen, zelebriert als Spiel mit den unterschiedlichsten Strukturen. Mit Zonen des Transparenten und ganz Dichtem, mit Hellem und Dunklem, Flächigem und beinahe Grafischem.

Eine Farbsymbolik verfolgt Thomas Reinhold in seiner Malerei nicht. Ob er ein helles Gelb, zartes Rosa oder dunkles Grau wählt, habe auch nichts mit momentanen Befindlichkeiten, sondern allein malerischen Überlegungen zu tun, sagt der Künstler, der stolz darauf ist, in seinen ganz jungen Jahren bei dem alle zwei Jahre in Innsbruck ausgetragenen „Österreichischen Grafikwettbewerb“ einen Preis gewonnen zu haben. Für eine Arbeit, deren Handschrift allerdings noch komplett anders war, als es seine heutige ist.

artdepot. Riesengasse 8, Innsbruck; bis 5. September, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 10–13 Uhr


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