Super-Stau befürchtet: Angst vor Ausweichverkehr im Unterland

Anders als im Außerfern gibt es im Unterland dieses Wochenende noch kein Abfahrverbot für Durchreisende. Anwohner befürchten untragbare Zustände. Die Politik beschwichtigt.

Laut Bezirkshauptmannschaft Kufstein könne ein Abfahrverbot relativ schnell verordnet werden.
© Thomas Boehm / TT

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Kufstein – Deutlich gestiegen sei das Verkehrsaufkommen im Tiroler Unterland, fast schon wieder auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit oder gar höher. So stellen es zumindest Anrainer fest – für die Autobahn am Grenzübergang bei Kiefersfelden genauso, wie für die umliegenden Dörfer. Die Bevölkerung fürchtet für dieses Wochenende den Super-Stau, dementsprechend groß ist das Unverständnis darüber, dass zwar im Außerfern, nicht aber in Kufstein Abfahrverbote für den Ausweichverkehr erlassen wurden. Politik und Behörden beschwichtigen, die Situation werde ständig beobachtet.

Ab heute und bis einschließlich Sonntag, 13. September, dürfen, wie berichtet, Wagen, welche die Fernpassstraße befahren und sich nur auf der Durchreise befinden, nicht mehr im Bereich Reutte Nord und Vils die Route verlassen. Das Verbot gilt in beide Richtungen und an den Wochenenden jeweils von Samstag, 7 Uhr, bis Sonntag, 19 Uhr. Beschlossen wurde die Maßnahme, weil der Stau-Ausweich-Verkehr „eine Gefahr für die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in den betroffenen Regionen und Ortschaften“ sei, sagte Landeshauptmann Günther Platter dazu der TT.

„Mich hat es gewundert, dass das Abfahrverbot in Kufstein nicht gilt. Aber das Land hat bessere Zahlen.“ - Martin Krumschnabel
 (Bürgermeister Kufstein)
© privat

Eine ähnliche Regelung gab es in jüngerer Vergangenheit während der Hauptreisezeit auch in und rund um die deutsch-österreichische Grenze im Tiroler Unterland. „Mich hat es gewundert, dass das Abfahrverbot in Kufstein noch nicht gilt“, sagt Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel. Denn auch er habe einen drastischen Anstieg der Fahrzeuge, insbesondere im Ortsteil Zell oder in der Salurnerstraße, bemerkt. „Aber das Land hat bessere Zahlen zum Verkehrsaufkommen“ und werde die Situation deshalb schon richtig einschätzen. „Im Grunde müssen wir ja froh sein, dass der Verkehr wieder rollt“ und die Wirtschaft nach dem Corona-Schock damit angekurbelt werde, meint Krumschnabel. Zu sehr belastet werden solle die Bevölkerung aber nicht. Um das zu erreichen, habe es die Fahrverbote gegeben. „Mit dem Modell sind wir bisher sehr gut gefahren. Wenn das dieses Wochenende schiefgeht, haben einige Stellen Erklärungsbedarf.“

Der ÖAMTC erwartet für dieses Wochenende Stau auf der Autobahn am Grenzübergang bei Kufstein. „Geht es nach dem subjektiven Empfinden vieler Bürger, ist die Situation jetzt schon untragbar“, sagt Christian Ritzer. Der Niederndorfer Bürgermeister ruft aber in Erinnerung, „dass wegen Corona sehr lange gar kein Verkehr war. Die Leute sind verwöhnt.“ Und jenen, die jetzt schon Abfahrverbote fordern, gibt er zu bedenken, dass „jedes Verbot und jede Regel auch die Einheimischen betrifft. Für Durchreisende muss es so unattraktiv wie nötig, für Einheimische so erträglich wie möglich sein. Wir sind aber auf der Hut“, meint der Bürgermeister. „Weil es durchaus auch Auswirkungen auf die Stau-Situation haben könnte, beobachten wir auch die Pläne der Bayern, Corona-Tests an der Grenze anzubieten, ganz genau.“

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„Noch soll die Lage beobachtet werden. Im Fall kann das Verbot schnell verordnet werden.“ - Josef Ritzer 
(Bürgermeister Ebbs)
© Mader

Josef Ritzer, Bürgermeister der Gemeinde Ebbs, stellt klar: „Über Monate gab es Verkehrs-Dürre wegen Corona. Ich verstehe die Wirtschaft, wenn sie gegen Beschränkungen ist. Wir sind im engen Kontakt mit der Bezirkshauptmannschaft. Dieses Wochenende soll die Lage noch beobachtet werden. Im Fall kann das Verbot schnell verordnet werden.“

Das bestätigt auch Kufsteins Bezirkshauptmann-Stellvertreter Herbert Haberl. „Die Polizei ist informiert, wird kontrollieren und beobachten und uns Bescheid geben, wenn sich die Situation dramatisch zuspitzt.“


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