Schatzsuche um Burg Falkenstein: Mit dem Bagger zum Nazi-Gold

Schatzsucher, auch aus Tirol, graben seit Jahren rund um die Burg Falkenstein im Allgäu. Dort soll, so die Legende, Gold vergraben sein.

Die Ruine Falkenstein liegt in Pfronten, unweit der Grenze zwischen Tirol und Bayern. Dort soll, so die Legende, Gold vergraben sein.
© dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Pfronten – Nur einen Steinwurf von Vils im Außerfern entfernt, wenige Meter hinter der deutsch-österreichischen Grenze im Allgäuer Pfronten gelegen, befindet sich die Ruine Falkenstein. Und schon lange hält sich hartnäckig das Gerücht, dass im Felsen, auf dem heute nur noch Mauerreste der einst ehrwürdigen Burg stehen, ein gewaltiger Schatz vergraben liegt. Unter anderem wird gemunkelt, dass hier die Nazis riesige Mengen an Gold verscharrt haben. Das lockt seit Jahrzehnten Glücksritter, auch aus Tirol, an, die meist illegal nach dort vermuteten Reichtümern buddeln.

Besonders schweres Gerät fuhren Schatzjäger Mitte Juli auf. In einer Nacht- und Nebelaktion gruben sie mit einem Bagger in unwegsamem Gelände unterhalb der Burg Falkenstein. Dabei seien auch ein „alter Weg illegal verbreitert und Felswände beschädigt“ worden, teilte die Polizei Pfronten mit. Als der Bagger in einem Steilhang abzustürzen drohte, wurde die Aktion abgebrochen, das Fahrzeug einfach stehen gelassen. „Es konnten zwischenzeitlich Tatverdächtige ermittelt werden“, heißt es von der Pressestelle der örtlichen Polizei auf Anfrage der TT. „Diese stammen nicht aus Österreich.“

Anders sah das vor knapp zehn Jahren aus. Damals waren zwei Tiroler, zu diesem Zeitpunkt im Alter von etwa Mitte 30, fünf Mal in einen Feldstadel eingebrochen, hatten dort den Holzboden aufgerissen „und einfach drauflos gegraben“, erzählte der Besitzer des Stadels, Hubert Haf, im Jahr 2011 der Deutschen Presse-Agentur . „Warum sie genau unter unserem Stadel gegraben haben, ist mir ein Rätsel. Der wurde erst 1976 gebaut.“ Haf habe sich im Anschluss sogar mit einem der Einbrecher und dessen Sohn zum gemeinsamen Graben getroffen. „Wir wollten, dass endlich Ruhe ist. Er sollte sehen, dass es hier keinen Schatz gibt.“

Kleinzukriegen ist dieser Mythos allerdings nicht, sagt auch Richard Nöß gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Laut dem Hauptamtsleiter der Gemeinde Pfronten gebe es „keinerlei Informationen, dass bei uns etwas vergraben liegt. Das kommt wohl aus der Sagenwelt.“ Eine Erklärung für die Ursprünge dieser Legende sei laut Nöß, dass die Nazis am Ende des Zweiten Weltkrieges im nicht weit entfernten Schloss Neuschwanstein „Kunstgegenstände und Gold gelagert haben“. Einen überbordenden Schatz-Tourismus, etwa aus Tirol, bemerkt der Amtsleiter nicht. „Von den meisten Suchern kriegen wir in der Gemeinde ohnehin nichts mit, weil sie alleine unterwegs sind und nur mit Schaufeln graben. Wenn sie aber mit so großem Gerät auf fremden Grund fahren, ist das schon sehr dreist.“

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Auch die Polizei im Allgäu hält fest, dass es sich bei der missglückten Aktion mit dem Bagger „seit Jahren um den ersten Fall von Goldgräbern handelt“. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sei es immer wieder „vereinzelt zu Grabungen offensichtlicher Schatzsucher gekommen. Meist mit Hacke und Schaufel.“ (bfk)


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