Nächste „narrische Aktion“: Zwei Tage nonstop die Möslalm rauf und runter

Er tut es schon wieder – diesmal noch länger. Alex Gindu will 48 Stunden lang den Wörgler Hausberg beradeln. Eine „narrische Aktion“ – doch er hat Gründe.

Während des Lockdowns trainierte Gindu fleißig zu Hause. 48 Stunden lang will er ab 14. August die Möslalm hinauf- und hinunterradeln.
© Gindu

Von Jasmine Hrdina

Wörgl – „Ach, du bist ja der narrische Radler!“ Diese Anrede ist Alex Gindu mittlerweile gewohnt. Meist ringt sie ihm ein Schmunzeln ab, ein bisschen stolz scheint er auf diesen Spitznamen nämlich schon zu sein. Mit seinen 24-Stunden-nonstop-Radtouren auf den Wörgler Hausberg „Möslalm“ hat sich der ambitionierte Hobbyradler in der Region einen Namen gemacht. Verrückt nennen es die einen, großartig die anderen. Immerhin sammelte der 37-Jährige mit seinen Aktionen bereits mehr als 13.000 Euro für in Not geratene Familien.

In knapp zwei Wochen will er es wieder tun – diesmal doppelt so lang, also für 48 Stunden. „Den Gedanken dazu hatte ich schon länger. Dann kam Corona – da zahlt es sich umso mehr aus, Familien finanziell zu unterstützen“, erklärt Gindu seine Beweggründe.

31-mal konnte der Wörgler bei der letzten Ein-Tages-Tour die 443 Höhenmeter auf 3,4 Kilometern Länge bezwingen. „Mental wird es sicher eine größere Herausforderung sein als körperlich“, ist der schlanke 1,82-Meter-Mann überzeugt.

2016 genoss er die Sektdusche bei der Zieleinfahrt nach einem ganzen Tag Durchstrampeln sichtlich.
© Pircher

Besonders in der Nacht habe er bisher mit Orientierungslosigkeit zu kämpfen gehabt. Umso dankbarer ist er für sein 10-köpfiges Team vor Ort. Mit E-Bikes werden ihn die Helferlein ab dem Startschuss am 14. August um 14 Uhr (Almhütte) begleiten und dafür sorgen, dass er auch bei Müdigkeit gut im Sattel sitzt, seine Trainings-Geschwindigkeit von sechs km/h hält, ihm Flüssignahrung, kleine Brote oder Bananen reichen und ihm Mut zusprechen. „Es tut einfach gut, wenn man immer wieder Stimmen hört und merkt, man ist nicht allein“, entschuldigt sich der Tiroler schon jetzt bei allen Unterstützern vor Ort, die er nicht persönlich begrüßen können wird. „Meine Gedanken sind dann überall, nur nicht hier beim Radeln.“

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Meine Gedanken sind dann überall – nur nicht hier beim Radeln.
Alex Gindu (Hobbyradler)

Der ehemalige Sänger einer Metalband hofft wieder auf viele Zuschauer und Cheerleader. „Einmal radelte ein Mann aus Lofer her und begleitete mich mitten in der Nacht für ein paar Runden – das hat mir sehr imponiert. Mich würd’ es freuen, wenn mich heuer die Chefin von Wörgl (BM Hedi Wechner – Anm. d. Redaktion) besuchen kommen würde.“

Sponsoren können sich beim Wörgler Stadtmarketing (ringler@stadtmarketing.woergl.at) melden, Zahlscheine liegen dort und im Bürgerbüro auf, bei der Zwei-Tages-Tour gibt es eine Spendenbox auf der Möslalm.

Die Namen der Familien, die er über die Initiativen „Licht für Wörgl“ und „Wörgler für Wörgler“ bisher unterstützt hat, kennt Gindu nicht. „Es geht teilweise um einfache Dinge, etwa Elternteile, die sich für ihre Kinder nicht mal eine Winterjacke leisten können. Man möchte nicht meinen, was sich in Wörgl hinter den Kulissen alles abspielt“, erörtert der Wörgler.

Im vergangenen Jahr wurde Gindu mit der goldenen Nadel des Ehrenamts ausgezeichnet. Dabei fußt die Aktion auf einer klassischen Schnapsidee: In geselliger Runde wurde gewettet, ob der damalige Radsport-Anfänger die Möslalm zehnmal hinauf- und hinunterradeln könnte. Gindu erhöhte vorlaut auf 24 Stunden.

„Wo wird das noch hinführen?“, fragen seine Freunde heute. Eine Antwort wird der „narrische Radler“ vielleicht nach dem 16. August geben können. „Für den Tag danach habe ich mir erst mal freigenommen“, will der Baupolier nicht allzu weit in die Zukunft blicken.


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