Optimale Lebensbedingungen: Der Fuchs ist ein Gewinner

Füchse profitieren von der Kulturlandschaft in Tirol, seine Feinde wären Wolf und Luchs. Andere Beutegreifer entdecken zunehmend Stadt und Land.

Der Rotfuchs findet in Tirol optimale Lebensräume vor. 7000 Füchse werden in Tirol jährlich erlegt.
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Von Sabine Strobl

Innsbruck — Die Diskussion um die Rückkehr des Wolfes lässt auch die Aufmerksamkeit für die kleinen Beutegreifer steigen. Zuletzt biss ein Fuchs in Kärnten zwei schlafende Hotelgäste. In Tirol teilte man in den sozialen Medien Fotos vom Fuchs im Garten.

Für Biologen und Jäger liegt die Erklärung für diese Beobachtungen in Tirol auf der Hand. Grundsätzlich ist der Fuchs scheu, vorsichtig und nicht aggressiv. „Sich neugierig verhaltende Füchse sind zumeist Jungfüchse. So handelt es sich bei den Bissen an schlafenden Personen aus Sicht des Fuchses wohl um ,spielerische Neugier' und nicht um einen Angriff. Mir ist das vor 25 Jahren auch schon passiert, als ich bei einer Bergtour im Freie­n biwakiert habe", sagt Johannes Rüdisser vom Institut für Ökologie an der Universität Innsbruck. Füchse können sehr wohl Gast im Garten sein, zumal sie Kulturfolger sind, betont Innsbrucks Bezirksjägermeisterin Fion­a Arnold. „Je älter sie sind und je mehr sie sozusagen das Leben prägt, desto vorsichtiger werden sie."

Ein gelegentlicher Besuch des Marderhundes wird vermutet.
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Und wie geht es Füchsen in Tirol? Aus Sicht des Ökologen findet der Fuchs hierzulande optimale Lebensbedingungen vor. Die Population ist stabil. „Füchse gehören, da sie sehr anpassungsfähig sind, zu den Gewinnern der Kulturlandschaft. Dies wird durch das Fehlen der großen Beutegreifer Wolf und Luchs noch begünstigt." Außer diesen beiden großen Beutegreifern hat der Fuchs hier kaum natürliche Feinde.

Da der Rotfuchs in Tirol flächendeckend vorkommt, gibt es keine genauen Bestandszahlen. Jährlich werden aber rund 7000 Füchse in Tirol erlegt, informiert Landesjägermeister Anton Larcher.

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Auf Erkundigungstour

Wildkatze. Beutegreifer sind Bestandteil funktionierender Ökosysteme. Die Wildkatze besiedelt oft unbemerkt ursprüngliche Lebensräume. Vor sieben Jahren wurde sie erstmals wieder in Tirol nachgewiesen.

Goldschakal. Er profitiert laut dem Ökologen Johannes Rüdisser vom Klimawandel und vom Fehlen des Wolfes und breitet sich über den Balkan nach Mitteleuropa aus. Ursprünglich war er in Indien, dem Nahen Osten und in der Türkei verbreitet.

Neozon. Der Marderhund ist eine gebietsfremde Art. Er kommt aus Ostasien und wurde vor 1950 in der ehemaligen Sowjetunion wegen seines Pelzes freigesetzt. Mittlerweile hat er sich bis in die Schweiz ausgebreitet. Ein gelegentlicher Besuch in Tirol wird vermutet.

Noch erinnern vergessene Schilder, dass der Fuchs bis in die 90er-Jahre stark von Tollwut betroffen war. Durch ausgelegte Impfköder konnte Europa von der tödlichen Erkrankung befreit werden, Österreich gilt seit 2008 als Tollwut-frei. Heute werden immer wieder „einzelne Staupe-Fälle" bei Füchsen, Dachsen und Mardern nachgewiesen, weiß Larcher. Haustiere sind durch eine Impfung von dieser Viruserkrankung geschützt.

Wie ein Rundblick der Bezirksjägermeisterin Arnold zeigt, bilden die kleinen Beutegreifer in Tirol eine sehr dichte und bunte Population. So manch ein Steinmarder rumort auch am Dachboden und so manch ein Dachs betätigt sich als Tiefbaumeister im Garten. Auch wegen eines Fuchses beim Hühnerstall klingelt hin und wieder das Telefon. Arnold appelliert an die Bevölkerung, Wildtiere nicht zu berühren, und erinnert an das Jagdgesetz: Jeder Fleck der Stadt Innsbruck ist Jagdrevier. Zwar gibt es ein Sondertötungsrecht des Grundeigentümers, unter strengen Voraussetzungen bestimmte Wildtiere (z. B. Fuchs und Dachs) etwa bei Gefährdung der Haustiere zu töten. Das Tier ist dem Jäger jedoch auszuhändigen. Trotzdem ist es empfehlenswert, zuerst mit einem Jäger oder dem Jägerverband Kontakt aufzunehmen, wenn Wildtiere zum Ärgernis auf Hof und im Garten werden.

So kann professionell Hilfe organisiert und geleistet werden.

Wie Arnold feststellt, steigt das Bewusstsein gegenüber Wildtieren auch im städtischen Bereich. Das zeigen nicht zuletzt die vielen Anmeldungen quer durch die Bevölkerung bei Jägerkursen.


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