Schwimm-Ass Auböck: „Wünsche mir manchmal, früher geboren worden zu sein“

Felix Auböck ist Weltranglisten-Erster über 400 m Kraul. 1988 hätte er mit seiner Zeit Olympia-Gold geholt, heute fehlen Sekunden.

Der Star der Staatsmeisterschaften: Felix Auböck.
© gepa

Südstadt statt Michigan, Staatsmeisterschaften statt Olympische Spiele. Das Coronavirus hat alle Ihre Pläne vereitelt ...

Felix Auböck:Ja, es ist eine merkwürdige Saison, bis März war es noch eine perfekte. Aber ich bin froh, seit Mai in Österreich zu sein, wieder trainieren und Wettkämpfe schwimmen zu können. Im Gegensatz zu meinen Kollegen in den USA, sie tun mir leid.

Trotz der Pause sind Sie in toller Form, schwammen zuletzt österreichische Rekorde über 200 und 400 m Kraul, dazu die Jahresweltbestzeit. Wie das?

Auböck: Es wundert mich auch ein bisschen (lacht). Ich glaube, ich zehre jetzt eben von den hohen Intensitäten und Trainingsumfängen der letzten drei, vier Jahre. Ich bin ausgeruht wie nie zuvor. Am Tag der 200 m Kraul letzte Woche wäre auch genau das 400-m-Kraul-Olympia-Rennen gewesen. Es hätte wohl ganz gut laufen können ...

Mit 3:45,00 min. über 400 m Kraul sind Sie jetzt zumindest die Nummer eins der Welt.

Auböck: Normalerweise ist man mit dieser Zeit nicht die Nummer eins, aber sagen wir mal so, ich habe die Situation gut ausnützen können. Ich hoffe, dass sich dadurch auch Sponsoren an Land ziehen lassen, das ist derzeit ja nicht einfach.

Vor 28 Jahren wäre Ihre Zeit noch Weltrekord gewesen, nun steht er bei 3:40,07 Minuten.

Auböck: 2012 hätte ich damit auch fast noch eine Olympia-Medaille gemacht. Heute liege ich damit zwischen Rang vier und sechs, aber zumindest fix in einem Olympia-Finale. Manchmal wünsche ich mir schon, früher geboren worden zu sein (lacht). Aber wer weiß, ob ich dann auch so schnell gewesen wäre ...

Sie haben während der Corona-Zwangspause bei Wellengang im Meer trainiert. Profitieren Sie jetzt auch davon?

Auböck: Eher nicht (lacht). Das war mehr so eine Frustschock-Aktion in San Diego. Die Bäder waren alle zu, die Olympischen Spiele zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abgesagt. Da bin ich im Meer geschwommen. Das war eine schöne Erfahrung, Korallen statt der Striche am Beckenboden, aber trotz Neoprenanzugs war das bei 13, 14 Grad hart. Die Open-Water-Schwimmer haben meinen größten Respekt!

Ohne Wasser geht’s nie?

Auböck: Das Wassergefühl geht schnell verloren. Es kommt zurück, aber die ersten Trainings waren katastrophal. Ich war langsam und alles war sehr anstrengend, bis man wieder drin ist.

Sie haben zuletzt an Ihrer Technik gefeilt. Was kann ein Weltklasseschwimmer wie Sie noch verbessern?

Auböck: Meine Trainer würden sofort zehn, 20 Details aufzählen! Natürlich sind es nur Kleinigkeiten, wie meinen Zug nach hinten zu verlängern oder den Kopf beim Atmen weniger nach oben zu drehen. Vieles ist aber automatisiert, dass selbst kleine Änderungen lange dauern, bis man sie festigt.

Wird man Ihren neuen Stil bei den Staatsmeisterschaften bereits sehen können?

Auböck: Mal schauen, wie es unter Stress klappt. Ich habe schon vor, Vollgas zu geben. Es bleibt nur die Frage, ob es aufgrund der Corona-bedingten Hygienevorgaben auch möglich sein wird, gute Zeiten zu schwimmen. Das Ausschwimmen nach den Bewerben wird kaum möglich sein, ist aber etwa nach einem 400-m-Kraul-Rennen unerlässlich.

Und danach: Wie geht es bei Ihnen weiter?

Auböck: Ich ziehe nach England, studiere an der Loughborough University in Leicester. Ich bin es gewohnt, neben dem Sportlichen auch was Akademisches zu machen, und will das so beibehalten.

Das Gespräch führte Sabine Hochschwarzer


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