Debatte um neuen Pachtvertrag in Wiesinger Gemeindezentrum

Der Bürgermeister sieht den Vertrag als Kompromiss. Die Opposition kritisiert die Vergabe und den niedrigen Pachtzins.

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Das Restaurant im Parterre ist bereits eingerichtet.
© Dähling

Wiesing – Andreas Haas heißt der zukünftige Pächter des Restaurants im von der Neuen Heimat neu gestalteten Wiesinger Gemeindezentrum. Die Vergabe und der Pachtvertrag wurde einstimmig durch den Gemeinderat am Mittwoch in der öffentlichen Sitzung abgesegnet. Froh, dass endlich ein Pächter gefunden wurde, waren zwar alle. Aber über das „Wie“ gab es Debatten. Denn Haas kann das neue Lokal zu viel besseren Bedingungen pachten, als es vorige Interessenten hätten dürfen. Er zahlt weitaus weniger als die 2500 Euro Pacht monatlich, von der in den Standardverträgen, die allen Bewerbern vorgelegt worden seien, die Rede war. Auch die darin von der Gemeinde verlangte Kaution soll auf einen Bruchteil der ursprünglichen Summe geschrumpft sein.

Am 19. September will Haas, der in Münster das Dorfcafé betreibt, den „Dorfwirt“ in Wiesing eröffnen, bis Jahresende zahlt er keine Pacht. Bürgermeister Alois Aschberger bezeichnete die ursprünglichen Pachtverträge der Gemeinde als „Verhandlungsbasis“. Die Interessenten hätten dann sagen können, unter welchen Anpassungen für sie das Betreiben des Lokales möglich sei. Aber das habe nur Haas gemacht, die anderen hätten sich einfach nicht mehr gemeldet, erklärte Aschberger. „In Zeiten wie diesen ist es nicht einfach, einen Pächter zu finden. Man muss da als Gemeinde Kompromisse eingehen. Zudem muss Andreas Haas noch viel Geld in Lebensmittel, Geschirr etc. investieren, damit er aufsperren kann.“

Kritik seitens der Opposition gab es im Vorfeld immer wieder. Zunächst, weil keine Ausschreibung für den Restaurantbetrieb geplant war, dann, weil in der Ausschreibung für die rund 90 Sitzplätze umfassende Räumlichkeit keine Pachtsumme enthalten war. „Zudem stellte sich heraus, dass der Bürgermeister schon eine Pächterin im Visier hatte, die die Planungsarbeiten von Anfang an beratend begleitete und dafür auch Geld bekam“, sagt Gemeindevorstand Maria Chelucci. Als von der Errichtergesellschaft WE dringend zu einer Ausschreibung geraten worden sein soll, sei es schließlich dazu gekommen. Danach seien zwei Bewerber in die engere Auswahl genommen worden. Einer davon war die besagte Beraterin. In einer geheimen Abstimmung hatte sich der Gemeinderat mit 8:7 Stimmen aber für den anderen Bewerber entschieden. Warum dieser (wie auch danach ein junges Paar) letztlich absprang, ist unklar. Was Chelucci zudem kritisiert: „Wir hätten das Gemeindezentrum kleiner geplant. Nun müssen wir als Gemeinde laut Ausfallshaftung auch noch Pacht für die leerstehenden zwei Geschäftsflächen an die WE zahlen.“ (ad)

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