Romy für Tirolerinnen: Ihre Bilder haben den Vorhang der Oper gelüftet

Die beiden aus Tirol stammenden Kamerafrauen Judith Benedikt und Eva Testor wurden mit dem heimischen Filmpreis Romy ausgezeichnet.

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Die beiden Tiroler Kamerafrauen Judith Benedikt und Eva Testor (v. l.) wurden für ihre Bildgestaltung mit dem Filmpreis Romy geehrt.
© Romar Ferry

Von Christoph Blassnig

Innsbruck, Lienz, Wien – Einmal hinter die Kulissen der Wiener Staatsoper schauen dürfen. Was leisten etwa die Kostüm- und Maskenbildner, die Lichttechnik und der Bühnenbau jeden Tag, damit die großen Dramen der Menschheit die Zuseher jedes Mal aufs Neue verzaubern? Jede Vorführung ist eine Wiederauferstehung eines Stückes, bis der Vorhang erneut fällt.

Der aus Südtirol stammende Regisseur Stephanus Domanig hat für seine Kino-Dokumentation „Backstage Wiener Staatsoper“ zwei Kamerafrauen engagiert, die über einen Zeitraum von zwei Jahren ein Mosaik aus bewegten Bildern angefertigt haben. Eva Testor ist in Hall geboren und in Völs aufgewachsen, Judith Benedikt in Lienz. Dieses Tiroler Trio hat in seiner Arbeit nicht nur die Wiener Staatsoper porträtieren dürfen, wie man sie sonst nicht zu sehen bekommt. Die beiden Kamerafrauen wurden für ihre Bildarbeit außerdem mit dem Romy-Filmpreis ausgezeichnet.

„Unsere Zusammenarbeit für die Oper-Geschichte war ein echter Glücksfall“, meint Testor, die zuvor bereits einmal für ihre Kamera für die Serie „Vorstadtweiber“ mit einer Romy gewürdigt worden ist. Judith Benedikt hat diese Auszeichnung zum ersten Mal erhalten. „Mit der Dokumentation sind wir selbst sehr glücklich“, erklärt Testor. „Die Aufnahmen fügten sich so gut zusammen, dass man nicht sieht, wer welche Einstellung gedreht hat. Auch das ist ein glücklicher Zufall – dass Judith und ich einen sehr ähnlichen Blick auf die Welt haben.“ Kennen gelernt haben sich alle drei Filmschaffenden an der Wiener Filmakademie.

Eine Sensibilität für die Kunst habe sie wohl von ihrem Vater geerbt, sagt Eva Testor, die auch schreibt. Der Schritt zur Kamera sei ein „Einfaller“ mit Anfang 20 gewesen. Erst beim dritten Mal sei sie an der Akademie in Wien aufgenommen worden. „Ich war einfach hartnäckig, fast besessen“, erinnert sich die Kamerafrau zurück. Sie habe in der Folge sehr viel Glück mit den Jobs gehabt, über zehn Jahre lang auch eine Produktionsfirma. Kinofilme und Fernsehserien standen auf ihrem Drehplan, auch in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Rundfunk. Ein Landkrimi aus Eva Testors eigener Feder ist im Entstehen. „Bis heute bin ich von ungebremster Leidenschaft beseelt“, sagt Testor. „Ich mag die Fiktion des Kinos, das Erfinden von Bildern, um eine Geschichte zu erzählen.“ Nach ihrer ersten Romy seien deutlich mehr Anfragen aus Deutschland gekommen. „Ich mache nicht gern Urlaub. Stattdessen fahre ich weg, um zu arbeiten. So lernt man das Leben der Menschen vor Ort am besten kennen.“ Ein Filmpreis sei nicht nur eine Würdigung der eigenen Arbeit, sondern eröffne auch neue Türen. „Es ist immer wieder spannend. Das macht meinen Beruf so schön. Ich fühle mich privilegiert.“

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Sehr glücklich mit ihrer ersten Romy für „Backstage Wiener Staatsoper“ ist auch Judith Benedikt. „Es ist schon etwas Besonderes, dass unsere Dokumentation aus einer Reihe von Kino-Spielfilmen herausstrahlen konnte.“ Überhaupt sei das Kino ihre große Leidenschaft. „Ich mag das Cinemascope-Format, das Breitbild in den Kinosälen. In meiner Arbeit versuche ich stets eine Nähe zu den Menschen aufzubauen“, sagt Benedikt. Begonnen habe sie bereits früh mit dem Fotografieren. Erst in der Schulzeit am BORG sei sie über die „Lienzer Filmnacht“, ein Projekt von Robert Winkler, erstmals zur Filmkamera gekommen. „Da habe ich gesehen, dass bewegte Bilder so viel mehr möglich machen als reine Fotografien“, meint Benedikt. Als Maturaarbeit am bildnerischen Zweig der Schule legte sie einen selbst geschnittenen Film vor. Einen Teil ihrer Leidenschaft widmet Benedikt heute der Lichttechnik. „Denn ohne Licht kein Bild, kein Film“, erläutert die Kamerafrau.

Am Opernprojekt habe sie wiederum die Nähe zu den Menschen geschätzt, die sie mit der Kamera bei ihrer Arbeit beobachten durfte. Ob die Romy auch für sie neue Wege eröffnen werde? „Das kann ich noch nicht sagen. Ich bin immer wieder und sehr gerne international tätig. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt in Wien, aber wer weiß, was kommt?“


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