Augustinermuseum Rattenberg: Im Dialog mit sich und der Welt

Zwölf Tiroler Künstler und Künstlerinnen infiltrieren das Augustinermuseum Rattenberg. Ihre Arbeiten unterscheiden sich inhaltlich wie technisch und formal, aber auch qualitativ sehr.

In „Petersburger Hängung“ wird eine Serie von zwölf in den letzten 18 Jahren entstandenen Arbeiten von Renate Schrott-Egger präsentiert.
© schlocker

Von Edith Schlocker

Rattenberg – Sakrales Kulturgut, das von seinem oft jahrzehntelangen Dornröschenschlaf in Kirchen, Sakristeien oder Dachböden von Widumen erlöst worden ist, wird seit gut drei Jahrzehnten im Augustinermuseum Rattenberg öffentlich zugänglich gemacht. In prächtigem barocken Ambiente, das für sich allein schon einen Besuch wert wäre. Um das Haus „lebendig“ zu erhalten, hat Petra Streng als dessen Leiterin erfreulicherweise die von ihrem Vorgänger Hermann Drexel implantierte Tradition übernommen, das Museum allsommerlich mit zeitgenössischer Kunst zu infiltrieren. Die idealerweise irgendwie mit den Objekten der permanenten Schausammlung zu tun hat – oder auch nicht.

In der aktuellen, von Maria Peters kuratierten Schau gibt es diesen direkten Bezug nur vereinzelt. Vage etwa in der Hoferkapelle bei Lukas Norers Klanginstallation „Disposition“, die eine etwas andere Art der Aufarbeitung heikler Kapitel der jüngeren Geschichte am Beispiel der Kufsteiner „Heldenorgel“ sein soll. Um diese zu verstehen der Ausstellungsbesucher allerdings eine Regieanweisung benötigt. Solche gibt es zwar auch zu den zwei Fotoarbeiten, die David Steinbacher in bzw. vor die kleine Kapelle gehängt hat. Von unterschiedlichen Qualitäten von Blau dominierte, fast mittig von Horizonten durchpflügte Bilder von Nordsee bzw. Mittelmeer. Dass Letzteres an dem Ort entstanden ist, an dem sich Walter Benjamin 1940 auf der Flucht vor den Nazis das Leben genommen hat, ist fein zu wissen, aber nicht zwingend notwendig.

Was die zwölf in der Schau präsentierten Positionen verbindet, ist, dass alle ihre Macher Mitglieder der Tiroler Künstlerschaft sind. Deren Arbeiten sich allerdings inhaltlich wie technisch und formal, aber auch qualitativ sehr unterscheiden.

Ursula Beiler steuert etwa mit ihrem „Exzentrischen Kugelstern“ und einer „Anna Selbdritt“ sehr persönliche Neuinterpretationen volkskünstlerischer Motive bei, Wolfgang Capellari klassisch Gemaltes, Martina Tscherni eine mit feinen Ornamenten vollgezeichnete Papierrolle. Hängend neben einer kuriosen Sammlung von Vanja Krajnc Gefundenem und Gemachtem. Sehr gerne mehr als nur das eine wunderbar poetische Bild Charlotte Simons würde man in der Schau sehen, genauso wie von den geheimnisvoll von schwarzen Balken durchkreuzten Fotos scheinbar unberührter Landschaften von Claudia Fritz. Dann wäre allerdings kein Platz mehr für die Arbeiten von Janine Weger, Heidi Holleis, Christiane Spatt und Renate Schrott-Egger gewesen. Was jedoch nicht wirklich schade wäre.

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Augustinermuseum. Klostergasse 95, Rattenberg; bis 26. Oktober, täglich 10–17 Uhr


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