Champions und Europa League: Vom Lockdown zum Showdown

So spät wie noch nie biegt Europas Fußball Corona-bedingt in die Zielgerade ein. Champions League und Europa League werden in Lissabon sowie Nordrhein-Westfalen in Form von Finalturnieren entschieden.

Wer schnappt sich in Lissabon die begehrte Champions-League-Trophäe.
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Lissabon – Nach fünfmonatiger Corona-Pause ertönt am Freitag in Turin und Manchester wieder die Champions-League-Hymne. Juventus empfängt zu den noch offenen Rückspielen des Achtelfinales Lyon, ManCity trifft auf Real Madrid; am Samstag folgt Bayern gegen Chelsea und Barcelona gegen Neapel. Dann rückt Lissabon vom 12. bis 23. August in den Fokus der Königsklasse.

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Karl-Heinz Rummenigge findet Gefallen am Finalturnier-Format der Champions League. „Es wird für die Zuschauer wahrscheinlich die spannendste Champions Lea­gue aller Zeiten“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern im Sky-Interview. „Du hast in diesen Spielen die Möglichkeit, alles zu gewinnen. Oder leider zu verlieren.“ Die Duelle im Viertel- und Halbfinale werden in diesem Jahr nur in jeweils einer K.-o.-Partie entschieden. Im bisherigen Format mit Hin- und Rückspiel sei allerdings die Chance größer gewesen, „dass sich die bessere Mannschaft durchsetzt“, sagte Rummenigge.

„UEFA Return to Play Protocol“ („Zurück-zum-Spiel-Konzept“) ist das 30-seitige UEFA-Hygiene-Konzept betitelt, um dem Coronavirus Paroli zu bieten. Im Kern ähnelt es dem Plan für die Geisterspieltage in den nationalen Ligen. Die Stars dürfen das Team-Hotel übrigens privat verlassen. Es gibt keine strenge Quarantäne. Aber die Klubs raten den Spielern ganz klar davon ab. Einen Tag vor der Anreise gibt es einen Corona-Test bei den Spielern, nach der Ankunft wird am Flughafen Fieber gemessen. Die Teams reisen in zwei Bussen vom Flughafen zum Hotel. Der Rest der Delegation fährt in Kleinbussen.

Die Favoriten sind zugleich die Umsatzkaiser des internationalen Fußballs. Dazu zählt Frankreichs Triple-Sieger Paris St. Germain, Deutschlands Rekordmeister FC Bayern, Spaniens Dauerrivalen Real und Barcelona – sofern sie das Viertelfinale erreichen – und auch Manchester City. Die müssen ein 2:1 gegen die Königlichen aus Madrid verteidigen, was für die Mannen von Trainer Pep Guardiola schwierig genug wird.

Bei Inter Mailand ist Feuer am Dach

Zu behaupten, dass sich beim Europa-League-Titelfavoriten Manchester United vor dem Achtelfinal-Gastspiel des LASK am morgigen Mittwoch (21 Uhr, live Puls 4, DAZN) die Gedanken um die Linzer drehen würden, wäre eine glatte Lüge. Das liegt zum einen an dem 5:0-Hinspielsieg der „Red Devils“ – noch nie hat eine Mannschaft in der Europacup-Geschichte einen Fünf-Tore-Vorsprung verspielt – und zum anderen an einer besonderen Personalie:

Denn dem Vernehmen nach könnte Dortmund-Jungstar Jadon Sancho zum teuersten Einkauf der Clubgeschichte avancieren. Die Verhandlungen um die Ablösesumme für den 20-Jährigen haben zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. 120 Millionen Euro sollen die „Red Devils“ bieten – laut Angaben britischer Medien und der deutschen Bild-Zeitung allerdings in Form von Ratenzahlungen. Ob sich Vizemeister Borussia Dortmund darauf einlassen wird, ist mehr als nur offen ...

Als zweiter großer Titelfavorit gilt indes Inter Mailand. Doch bei den „Nerazzurri“ scheinen die Nerven blank zu liegen: Und daran trägt auch der Trainer eine gewisse Mitschuld. Denn nach dem 2:0-Sieg in Bergamo zum Serie-A-Abschluss ließ sich der streitbare Coach Antonio Conte – schon bei Chelsea hatte er sich mit Roman Abramowitsch angelegt – zu einem Rundumschlag hinreißen: „Weder meine Arbeit noch die Arbeit meiner Spieler wurde wertgeschätzt. So geht das nicht.“ Vor allem bei Kritik von außen seien er und die Mannschaft nicht ausreichend von der Vereinsführung geschützt worden.

„Wir werden mit dem Präsidenten (Steven Zhang, Anm.) sprechen müssen, aber der ist jetzt in China.“ Sätze, die Zhang nicht goutiert haben soll, als mögliche Nachfolger brachten italienische Medien zuletzt Massimiliano Allegri und Mauricio Pochettino ins Spiel. Contes Vertrag läuft indes noch bis 2022.

Entscheidungen fallen in „Corona-Europa-League-Blase“ in NRW

Am Mittwoch (21 Uhr) trifft Inter im Europa-League-Achtelfinale auf Getafe. Das ist dann auch das erste Spiel, das in der „Corona-Europa-League-Blase“ in Nordrhein-Westfalen, nämlich in Gelsenkirchen, ausgetragen wird. So wie das Donnerstag-Match (21 Uhr) zwischen dem FC Sevilla und der AS Roma in Duisburg. Das sind jene zwei Achtelfinal-Duelle, die in einem Spiel entschieden werden, weil schon das Hinspiel wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie abgesagt worden war. Die Rückspiele der anderen sechs Achtelfinale finden noch in den jeweiligen Heimstadien statt. Ab dem Viertelfinale steigen alle Matches in Deutschland.

Apropos Deutschland. Die Bundesliga ist noch mit drei Clubs (Wolfsburg, Leverkusen, Frankfurt) vertreten: Während Xaver Schlager, Pavao Pervan (beide Wolfsburg) sowie Martin Hinteregger und Adi Hütter (beide Frankfurt) einen Rückstand aufholen müssen, verteidigen Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic (Leverkusen) im Achtelfinale ein 2:1 gegen die Rangers. (t.w., w.m.)

⚽️ Europa League auf einen Blick

Achtelfinale:

Mittwoch, 5. August, 18.55 Uhr:

Donezk – Wolfsburg (Hinspiel 2:1); FC Kopenhagen – Istanbul Basaksehir (0:1).

Mittwoch, 5. August, 21 Uhr:

ManUnited – LASK (5:0), Inter – Getafe (Entscheidung in einem Spiel).

Donnerstag, 6. August, 18.55 Uhr:

Leverkusen – Rangers (3:1); FC Sevilla – AS Roma (Entscheidung in einem Spiel).

Donnerstag, 6. August, 21 Uhr:

FC Basel – Frankfurt (3:0); Wolverhampton – Olympiakos (1:1).

Viertelfinale (alle in Nordrhein-Westfalen/10. und 11. August):

Match 1: ManUnited/LASK – FC Kopenhagen/Basaksehir.

Match 2: Getafe/Inter – Leverkusen/Glasgow Rangers.

Match 3: Donezk/Wolfsburg – Basel/Frankfurt.

Match 4: Wolverhampton/Olympiakos – AS Roma/FC Sevilla.

Halbfinale (16./17. August): Sieger Match 1 – Sieger Match 4

Sieger Match 2 – Sieger Match 3

Finale: 21. August (21 Uhr) in Köln.

Europa League im TV:

RTL und Puls 4 übertragen pro K.o.-Runde jeweils ein Spiel im Free-TV. Alle Spiele live zu sehen gibt es beim Streamingdienst DAZN.


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