Hagia Sophia: Vergeltung an alten Moscheen in Griechenland

Die Rückverwandlung der Istanbuler Hagia Sophia zur Moschee durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat in Griechenland Aktionen gegen dort noch bestehende islamische Heiligtümer ausgelöst. So wurden im mittelgriechischen Trikala die Überreste der „Blei-Moschee“ von einem Mob „gesteinigt“ und dabei noch weiter zerstört, wie Kathpress am Montag berichtete.

Die „Blei-Moschee“ Kursun Camii war bis zur Übergabe von Thessalien an die Griechen 1882 eines der schönsten osmanischen Gotteshäuser im türkischen Südosteuropa. Als „Gegenmaßnahme“ nach der Umwidmung der Hagia Sophia verlangte der Regionalgouverneur der Nordägäis, Kostas Moutzouris, etwa die Renovierung der ältesten Moschee auf der Insel Lesbos - die Valide Camii in Mytilini - zu stoppen und den Geldhahn abzudrehen.

Die dem Ökumenischen Patriarchat nahestehende Blogsite „Phos Phanariou“ warnte indes vor solchen und weiteren Gegenmaßnahmen zur Hagia Sophia in Griechenland. Bezeichnend sei auch, dass die „Vergeltung“ von genau denselben extrem griechisch-nationalistischen und ultraorthodoxen Kreisen ausgingen, die auch den Ökumenismus von Patriarch Bartholomaios I. bekämpften.

Die Rückverwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee stößt in Griechenland laut einer Umfrage des griechischen Meinungsforschungsinstituts „Kapa Research“ allgemein auf große Ablehnung. Fast neun von zehn Griechen sprachen sich demnach gegen diesen Schritt aus.

Laut „Kapa“ waren 86 Prozent der Befragten in Griechenland dafür, dass die ehemals byzantinische Kirche weiterhin als Museum fungieren sollte. Das Meinungsforschungsinstitut machte auch in der Türkei eine entsprechende Erhebung. Dort votierten demnach 45 Prozent gegen eine Rückwidmung in eine Moschee.


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