Euphorie vor erster Opernpremiere bei Innsbrucker Festwochen

Ein erster Höhepunkt der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik steht vor der Tür. Die Verantwortlichen haben sich wenige Tage vor der ersten großen Opernpremiere - „Leonora“ von Ferdinando Paer - am 7. August euphorisch gegeben. „Die Freude darauf und darüber, dass die Festwochen stattfinden können, ist sehr groß“, sagte Festwochenintendant Alessandro De Marchi im APA-Gespräch.

Auch die Vorfreude auf die Aufführung der zwei weiteren Opernproduktionen, „L‘empio punito“ von Alessandro Melani und „La pellegrina“, stand De Marchi ins Gesicht geschrieben. „‘L‘empio punito‘ hätte ich sehr gerne selbst gemacht, aber alles geht halt nicht“, erzählte ein lächelnder Intendant, der die musikalische Leitung hier Mariangiola Martello überlässt. „Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf meine Produktion, die ‚Leonora‘“, schob er nach.

Der Weg hin zu dieser so gut wie ungetrübten Freude war laut dem Intendanten aber durchaus steinig. „Wir haben erst vor etwa sieben Wochen erfahren, dass wir überhaupt spielen können“, meinte er. Zudem sei die „räumliche Entfernung der Musiker zueinander auf der Bühne“ schwierig. „Die Proben sind dadurch komplexer geworden, der diesbezügliche Schwierigkeitsgrad hat sich verhundertfacht“, so der gebürtige Römer.

Die Situation sei heuer aufgrund der Coronaschutzmaßnahmen einfach insgesamt anders, betonte die Festwochen-Betriebsdirektorin, Eva-Maria Sens. So sitze das Orchester beispielsweise nicht im Orchestergraben, sondern auf der Bühne. „Es ist künstlerisch ein völlig anderer Rahmen“, so Sens. „Es galt schlicht, auf mehreren Ebenen umzudenken“, ergänzte sie.

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„Es gibt heuer beispielsweise keine Premierenfeiern, und auch sonst müssen Publikum und Künstler strikt getrennt bleiben“, strich Sens hervor. „Und auch wir selbst haben das soziale Leben untereinander und generell minimiert“, erklärte De Marchi ergänzend. Es fehle damit ein wenig das Gemeinschaftserlebnis, das ein Festivals ausmache, so die Betriebsdirektorin. „Doch dafür ist jetzt eine absolut Fokussierung auf die Musik und auf die Kunst möglich, auch dadurch, dass aufwändige Kostüme und Bauten auf der Bühne fehlen“, sagte Sens zur gegenwärtigen Situation.

Darüber, dass das Musikerlebnis nach dem Lockdown anders sein werde, waren sich Sens und De Marchi jedenfalls einig. „Die Menschen sind hungrig nach Kultur“, meinte der Intendant. „Man wird beim Zuhören schnell merken, was in der Zeit ohne erlebte Livemusik gefehlt hat“, fügte Sens hinzu: „Es wird jeweils wie eine große Oase sein.“

Solche „Oasen“ kann man 2020 übrigens nicht nur bei den Opern erleben. Auch das „Concerto Mobile“, das über den August verteilt noch an verschiedenen Punkten der Stadt Halt machen wird oder ein Aktionsnachmittag unter dem Titel „Das Schloss ruft!“ auf Schloss Ambras stehen am Programm. Mit dem sinnigen Motto „From Purcell with Love“ huldigt man außerdem im Coronajahr der Musik von Henry Purcell. Mit „Beethoven!“ erklingt dann nicht zuletzt auch die Musik von Ludwig van Beethoven.


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