Widerstand gegen Wohnanlage im Sistranser Ortsteil Puitnegg

370 Sistranser Bürger haben sich, wie berichtet, im Oktober 2019 per Stellungnahmen gegen den Bebauungsplan ausgesprochen – worauf der Gemeinderat keinen Beharrungsbeschluss fasste. Nun will die Bürgerinitiative (BI) bis 12. August erneut Einsprüche sammeln.

Im Sistranser Ortsteil Puitnegg soll eine Wohnanlage mit 15 Einheiten entstehen, das Bestandsgebäude wurde 2019 abgerissen.
© BI Sistrans

Sistrans – Im Sistranser Ortsteil Puitnegg plant ein privater Bauträger eine Anlage mit 15 Wohnungen samt Tiefgarage mit 28 Plätzen – und stößt damit weiter auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung: 370 Sistranser Bürger haben sich, wie berichtet, im Oktober 2019 per Stellungnahmen gegen den Bebauungsplan ausgesprochen – worauf der Gemeinderat keinen Beharrungsbeschluss fasste.

Nun will die Bürgerinitiative (BI) „Sistrans muss lebenswert bleiben“ bis 12. August erneut Einsprüche sammeln: Denn der neue Bebauungsplan, dessen Auflage der Gemeinderat Ende Juni einstimmig beschlossen hat, enthalte nur minimale Veränderungen und lasse viele der im Herbst eingebrachten Einwände „völlig unberücksichtigt“, erklärt Armin Brugger von der Bürgerinitiative. Ziel sei, eine „Nachdenkpause“ für das Projekt bzw. ein Umdenken des Bürgermeisters und des Gemeinderates zu erreichen.

Die BI kritisiert grundsätzlich, dass nur frei finanzierte Wohnungen entstünden, „die sich bestens als Anlegerwohnungen eignen“. Man unterstütze eine „sinnvolle Nachverdichtung“ durchaus – diese müsse aber auf einem Verkehrskonzept beruhen sowie auf einem Bebauungsplan, der für ein größeres Gebiet gelte. Bebauungspläne sollten nicht für „Einzelfälle“ beschlossen werden, „die dann zu Präzedenzfällen für Neubauten im ganzen Dorf werden“. Die Initiative verweist auch darauf, dass das örtliche Raumordnungskonzept für Puitnegg eine „überwiegende Bebauung mit freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern“ vorsehe.

Die Verkehrsbelastung in der vielbefahrenen Kirchgasse dürfe nicht noch mehr steigen, lautet eine weitere Forderung. Zudem sollten die Auswirkungen des Vorhabens auf Grundwasser, Restbaumbestand oder Lärm vor Beschluss eines Bebauungsplanes geprüft werden.

Und: Sistrans solle das Ins­trument der Vertragsraumordnung nutzen, um geförderten Wohnbau zu ermöglichen und der Gemeinde Vergaberechte zu sichern, schlägt die BI vor. Sie möchte die verschiedenen Standpunkte gemeinsam mit anderen großen Vorhaben (Neubau Musikschule, Ansiedlung Supermarkt) bei der nächsten Bürgerversammlung ausdiskutieren.

BM Josef Kofler kann die Kritik nicht nachvollziehen. Das Projekt entspreche den geltenden Baurichtlinien, der Bauausschuss habe im April 2019 einstimmig sein Okay gegeben. „Wenn wir jetzt nachträglich Bestimmungen ändern würden, wäre die Rechtssicherheit für den Bauwerber in Frage gestellt“. Dieser müsse sich auf den Rechtsstaat verlassen können. Zugleich rückt Kofler die Dimension zurecht: „Für die Wohnanlage wurde eine Baumassendichte von 1,4 festgelegt. Einige betroffene Nachbarn haben selbst dichter gebaut.“

Vertragsraumordnung betreibe Sistrans schon seit 2001, so Kofler weiter. „Das geht aber nur bei noch nicht gewidmeten Grundstücken. Dieser Grund ist seit 1976 gewidmet und war ja auch schon bebaut.“ Zugleich würde Vertragsraumordung bzw. Sozialwohnbau – für den in Sistrans aktuell gar kein Bedarf bestehe – „höhere Dichten mit sich bringen“, betont Kofler.

Investorenwohnungen kenne er in Sistrans keine. „Solange Wohnungen vermietet und mit Hauptwohnsitz bewohnt werden, ist das positiv. Schlimm wäre, wenn man Wohnungen bewusst leer stehen lassen würde.“ (md)


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