Schwazer Landsknechte feiern 120-Jahr-Jubiläum

Fruntsperger-Quartett: Burghauptmann Josef Danler, Burgrichter Heli Thurnbichler, Josef Schaller (noch als Feldhauptmann) und sein Nachfolger Erich Brandl (v. l.).

Schwaz – Heuer feiert eine ganz besondere Tafelrunde Geburtstag: das Schwazer Fruntsperg-Fähnlein. Veranstaltungen sind für die Mitglieder „Sippungen“ oder „Ausritte“, gewandet sind sie dabei in leichter oder schwerer Rüstung, jeder hat „seine“ Tiroler Stammburg, der von „Heben“ servierte Rebensaft wird aus Humpen getrunken. Die Dienstgrade reichen vom Pilgrim über den Recken und Knappen bis zum Ritter. Die Aufnahme erfolgt bei Kerzenlicht durch Kugelung: Dazu erhält jeder Sasse, so die Bezeichnung der Mitglieder, eine weiße und schwarze Kugel – wird eine einzige schwarze Kugel abgegeben, ist es nichts mit der Aufnahme des Kandidaten. Lieblingsbeschäftigung der wackeren Mannsbilder ist der „30-jährige Krieg“ – nicht der echte, sondern ein Würfelspiel dieses Namens.

Der martialisch wirkende Landsknechthaufen, dessen Mitgliederzahl auf 24 limitiert ist, ging aus der im Jahre 1900 gegründeten Goldfischviertler Tafelrunde hervor. Die Sassen mussten damals Schwazer Gemeinde­bürger, Gewerbetreibende und Hausbesitzer sein. Angeführt wird das Fähnlein in Anlehnung an den legendären Jörg von Fruntsperg von einem Feldhauptmann bzw. Obrist, der auch den Namen „Jörg“ trägt (derzeit Jörg X., profan Erich Brandl).

Der Landsknechtvater, der auch im Dienste des Kaisers stand, ist zwar nicht mehr in Schwaz geboren (die Freundsberger übersiedelten 1467 nach Mindelheim, wo sechs Jahre später der Jörg zur Welt kam), aber Schwaz war und blieb Freundsberg(er)stadt. Und: Die Fruntsperger tafeln und tagen auf jener Burg Freundsberg, die die Vorfahren des legendären Jörg gebaut haben.

Einer der heutigen Haudegen bringt es – als Erster seit der Gründung – bereits auf 60 Mitgliedsjahre: Josef Schaller. „Bei der Kapitelung am 10. des Weinmondes 1900 und 59 dazu – also vor über 60 Jahren – wurden vier honorige Schwazer in das Fähnlein aufgenommen, drei von ihnen wurden später Feldhauptmann: Erwin Wagner, Helmuth Hölzl und Josef Schaller“, berichtete bei der jüngsten Sippung der derzeitige Feldhauptmann Erich Brandl. Noch im gleichen Jahr erhielt der „Peppal“ feierlich den Reckennamen „Hagen“ verliehen. „Ich war mit 29 Jahren bis dahin der jüngste jemals ins Fähnlein aufgenommene Sasse“, betont der „Peppal“, der 1961 zum „Knappen von Bernegg“ geschlagen wurde. Zeremonienmeister, der Aufstieg zum Ritter (1985) und 1991 – als Jörg IX. – die Wahl zum Anführer des Fähnleins waren weitere Stationen auf der Karriereleiter. 19 Jahre übte er diese Funktion aus, ehe er das Kommando an Erich Brandl übergab.

Dieser heftete ihm nun als erstem Fruntsperger überhaupt das Golden­e Ehrenzeichen an die stolz geschwellte Landsknechtsbrust. Auch dieses ist ein Unikat – der Schwazer Goldschmied Arno Schneider-Rappl hat eine Mini-Ausgabe von Burg Freundsberg in Gold geschaffen. Ein­e weitere Ehrung betraf den „Burgrichter“: Heli Thurnbicher (Ritter Wasserburger) wurde für die 40-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. (hö)


Kommentieren


Schlagworte