Michael „Mad Mike“ Küng: „Der Flügel ist meiner“

Michael Küng, besser bekannt als Mad Mike, geht seit Jahrzehnten in die Luft, und das immer auf spektakuläre Weise – sei es als Gleitschirm-Tester oder als Rekordjäger.

Beim Gleitschirmfliegen lotet Mike Küng die Grenzen des Möglichen aus – und verschiebt sie immer wieder. Beim „Red Bull X-Alps“-Bewerb überflog er den Rhonegletscher.
© Küng

Von Theresa Mair

Innsbruck – Vor 32 Jahren ist Michael Küng zum ersten Mal abgehoben – und seither so gut wie keinen ganzen Tag mehr auf dem Boden. Damals im Montafon hatte sein flugbegeisterter Vater Gleitschirme im Sortiment des Sportgeschäfts der Familie. „Er hat gesagt: ,Wir gehen jetzt einfach auf den Hügel hinauf und probieren das aus.‘ Das war schon ziemlich blauäugig, aber es hat gleich gut funktioniert“, erinnert sich Küng, wie seine Paragleiter-Karriere begann.

Inzwischen hat Küng, in der Szene besser als Mad Mike (dt. verrückter Mike) bekannt, Legenden-Status erlangt und ist Ehrenbürger von Maurach. An den Achensee hat es den 51-jährigen Vorarlberger schon vor 25 Jahren gezogen. Denn: „Tirol ist eines der besten Fluggebiete weltweit.“ Das Paragliden sollte mehr als seine Passion werden, er wollte es zum Beruf machen und als Testpilot für neue Gleitschirm-Modelle einsteigen. „Die Region Achensee ist wunderschön und optimal, um Testflüge durchzuführen. Meine Aufgabe ist es ja, den Schirm in Schwierigkeiten zu bringen. Da ist es besser, auf einer freien Fläche herunterzukommen, als auf Strom oder auf der Autobahn zu landen. Über dem See fällst du niemandem auf den Kopf“, schildert er.

📽️ Video | Mad Mike Küng in Aktion

Klingt spektakulär, ist es auch. Sein Job sei extrem und mit dem eines Stuntman vergleichbar. Trotzdem regt es ihn auf, wenn „gewisse Medien aus Sensationslust“ das Gleitschirmfliegen gefährlicher darstellen, als es tatsächlich sei. „Das Image des Sports ist nach wie vor nicht gut. Dabei sind Gleitschirme extrem sicher. Nicht das Fluggerät ist das Problem, sondern die Piloten. Als Anfänger weiß man wenig über das Wetter und sein Fluggerät.“ Einen Beitrag dafür, dass die Gleitschirme sicher sind, leistet Küng. Mit den neuen Geräten – momentan hauptsächlich von der Tiroler Firma PHI – fliegt er über dem See 25 vorgegebene Manöver. Er provoziert bis zu 70-prozentige seitliche Einklappungen des Schirms und Stromabrisse, so genannte Stalls, bei denen der Paragleiter ins Trudeln kommt. Je nachdem, wie gut das Fluggerät die Schwierigkeiten selbst wieder behebt, gibt er eine Bewertung ab.

Er hat mit einem Sprung von einem Heißluftballon den Höhenrekord von über 10.000 Metern aufgestellt.
© Küng

Entweder der Schirm muss nachgebessert werden, oder er wird für ein Gütesiegel freigegeben. Bis auf ein paar „lehrreiche Erfahrungen“ sei ihm bei seinen spektakulären Ausflügen bisher noch nie etwas passiert, wie er recht gelassen erklärt.

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Dabei sind die Abenteuer als Testpilot, für die er kürzlich auch von Servus TV für die Sendung „Heimatleuchten“ (Ausstrahlung im Sommer 2021) porträtiert wurde, gar nicht das Extremste, worauf sich Küng einlässt. Den vielsagenden Spitznamen hat er sich anders verdient: „Ich hatte das Glück, in den Sport hineingeboren zu werden, als er noch in den Kinderschuhen steckte. Ich konnte Akrobatik, Basejumping und Freestyling, Kiten mitentwickeln. Ich habe die Herausforderungen gesucht und wollte immer die Grenzen verschieben.“

Am häufigsten geht er aber über dem Achensee in die Luft.
© Küng

Mad Mike Küng war u. a. dreimal Akrobatik-Weltmeister – und er jagt Höhenrekorde. Er hält einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für einen Flug von 9000 Metern Höhe, den er später selbst überbot. Von einem Ballon sprang er in Bayern von über 10.000 Metern ab. Er ist der Einzige, der bisher mit dem Gleitschirm den Ärmelkanal überflog und sprang zweimal mit dem Schirm von der Europabrücke. „Heuer im Februar habe ich eine Aktion gemacht am Achensee. Da bin ich von 7000 Metern über Kopf über den Schirm gesprungen. Der Gleitschirm ist zwar nicht für das Springen gemacht, aber ich habe immer Ideen, die ich realisieren will“, erzählt Küng, der derzeit in Dänemark weilt, wo er Schirmbeherrschungskurse am Boden gibt. Dort an der Küste geht anständig der Wind. Im Winter weicht Küng oft nach Marokko oder auf die Kanaren aus, um zu fliegen. Er hat auch schon ein neues Rekord-Projekt im Kopf, das er spätestens im nächsten Jahr umsetzen will. Bei allem, was er schon erreicht hat, wird ihm das Fliegen nie fad. Im Gegenteil: „Es fasziniert mich immer mehr. Der Flügel ist meiner geworden.“

Sein Vater hat mit mittlerweile fast 80 das Fliegen übrigens aufgegeben. Dafür fliegt Küngs fünfjährige Tochter schon mit dem Papa mit. „Sie mag die spektakulären Sachen und sagt immer: ,Papa, schaukeln!‘“


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