BM von Partnerstadt Freiburg: „Innsbruck ist eine mutige Stadt, das gefällt mir“

Freiburgs Oberbürgermeister zeigt sich von seiner Partnerstadt Innsbruck angetan. Die beiden Städte verbindet viel – auch das Wohnproblem.

Bürgermeister Georg Willi führte seinen Amtskollegen aus der Partnerstadt Freiburg, Martin Horn (r.), unter anderem auf die Umbrüggler Alm.
© Daum

Von Denise Daum

Innsbruck – Universitäts- und Sportstadt, Touristenziel, radbegeisterte Einwohner, eine Seilbahn auf den so genannten „Hausberg“, Hotspot für nicht bezahlbaren Wohnraum, Hochburg der Grünen – der gelernte Tiroler denkt bei dieser Beschreibung natürlich an seine Landeshauptstadt. All diese Schlagwörter treffen aber auch auf Innsbrucks Partnerstadt Freiburg im Breisgau zu.

Vielleicht sind die vielen Gemeinsamkeiten der Grund, warum sich die Bürgermeister der beiden Städte gut verstehen. Oder, weil sie beide vor zwei Jahren am selben Tag gewählt wurden, wie Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn bei seinem Innsbruck-Besuch am Wochenende erwähnt – „schon allein deshalb ist Georg Willi ein klasse Kerl“, sagt Horn.

Er war das erste Mal in seiner Funktion als Freiburgs Oberbürgermeister zum (politischen) Gedankenaustausch in Innsbruck. Wie Georg Willi (Grüne) muss auch der 35-jährige Oberbürgermeister (parteifrei) den Konsens mit mehreren Parteien suchen, um politisch etwas weiterzubringen. In Freiburg sitzen 16 Fraktionen im Gemeinderat, in Innsbruck sind er immerhin zehn.

Was Horn besonders an seiner Partnerstadt gefällt: „Innsbruck ist eine mutige Stadt“, sagt Horn. Als Beispiel führt er das Haus der Musik an. „So ein Projekt in der heutigen Zeit durchzuziehen, ist immer mit Kritik verbunden. Die Bündelung so vieler Interessen in einem Haus zeigt, dass man sich auf Wagnisse einlässt. Denn natürlich gibt es dabei Nutzungskonflikte, natürlich gibt es Kostensteigerungen, natürlich gefällt die Architektur nicht jedem.“ Trotzdem sei Innsbruck in seinen Augen damit den richtigen Weg gegangen.

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Insgesamt zeigt sich Martin Horn sehr angetan von Innsbruck. Bei einem Besuch auf der Umbrüggler Alm erklärt er, dass dieser Ort für ihn alles verkörpere, wofür Innsbruck stehe: „Sportlichkeit, ein Wahnsinnspanorama, coole Leute, gelebte Gastfreundschaft und leckeres Essen.“

Vielleicht verstehen sich die beiden Bürgermeister aber auch deshalb so gut, weil sie dasselbe Problem haben: explodierende Wohnungspreise. Sowohl Willi als auch Horn nennen das Schaffen von leistbarem Wohnraum als oberste Priorität ihrer Amtszeit. Für ihn sei es spannend zu sehen, wie Innsbruck das Wohnproblem angeht, sagt Horn. Absolut vorbildhaft und nachahmungswürdig sei, dass Innsbruck so gut wie ausschließlich Mietwohnungen baut. In Freiburg werden städtische Wohnungen auch verkauft. Unter Horn zwar „nur noch“ zu 25 Prozent (bei seinem Vorgänger waren es rund 40 Prozent), aber das Ziel sei eindeutig, so viele Wohnungen wie möglich im Besitz der Stadt zu behalten.

Innsbruck hat mit seinen 17.000 Stadtwohnungen bei rund 130.000 Einwohnern ein deutlich größeres Angebot als Freiburg, das bei knapp 230.000 Einwohnern rund 11.000 Wohnungen verwaltet. Horn hat deshalb eine Wohnbauoffensive mit 2500 städtischen Wohnungen in den kommenden zehn Jahren ausgerufen.

Georg Willi nennt drei Dinge, die Freiburg hat und die ihm in Innsbruck fehlen: Zum einen sind es die berühmten „Bächle“, offene Wasserläufe, die sich durch die Straßen und Gassen der Altstadt ziehen, an denen gespielt, gesessen und Wein getrunken wird. „Das würde auch zu Innsbruck gut passen. Man könnte den Inn in die Stadt leiten“, überlegt Willi.

Vorbildhaft sind für Innsbrucks Bürgermeister auch die zahlreichen begrünten Straßenbahngleise Freiburgs. „Das kühlt und ist optisch schön.“

Und schließlich beneidet er Freiburg um seine Marktkultur. „Dort gibt es insgesamt 18 Bauernmärkte. Der beeindruckendste ist der Markt um das Münster – ein Spiegel der gesamten Region. Die Leute, die den Markt besuchen, sind so gechillt, echt toll“, gerät der Bürgermeister ins Schwärmen. Hier könne sich Innsbruck einiges abschauen.


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