Libanesischer Ministerpräsident will Neuwahlen beantragen

Angesichts der regierungskritischen Proteste nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat der libanesische Regierungschef Hassan Diab vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Nur so könne die Krise in dem Land überwunden werden, so Diab. Er werde seinem Kabinett daher am Montag Neuwahlen vorschlagen. Eine Verantwortung für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes wies er im TV zurück.

Zuvor hatten wütende Demonstranten das Außenministerium in Beirut gestürmt und zum „Hauptquartier der Revolution“ ausgerufen. Tausende Menschen marschierten durch die libanesische Hauptstadt, Demonstranten lieferten sich Zusammenstöße mit Sicherheitskräften. Bei den Zusammenstößen im Zentrum von Beirut wurde einem Polizeisprecher zufolge ein Polizeibeamter getötet.

Bei den Protesten wurden nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes mehr als 110 Menschen verletzt. Ins Krankenhaus seien 32 Personen eingeliefert worden, zitierten örtliche Medien die Hilfsorganisation.

Viele Libanesen, die der politischen Elite schon seit langem Korruption und Unfähigkeit vorwerfen, machen die Regierung für die verheerenden Explosionen am Dienstag mit mehr als 150 Todesopfern verantwortlich.

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Am Dienstag hatten zwei gewaltige Explosionen den Hafen von Beirut erschüttert. Nach Regierungsangaben waren 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, die jahrelang ungesichert in einer Halle im Hafen lagerten. Die Ursache der Explosionen ist noch unklar. 21 mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen. Die Zahl der Todesopfer der Explosionen stieg am Samstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 158, die der Verletzten auf mehr als 6.000. 21 Menschen werden demnach noch vermisst.

Nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat das Deutsche Rote Kreuz 43 Tonnen Hilfsgüter in die libanesische Hauptstadt geflogen. Ein Airbus mit der Fracht hob am Samstag auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld ab und sollte in der Nacht in Beirut landen. Nach Angaben des DRK umfasst die Hilfslieferung Verbandsmaterialien, Decken, Erste-Hilfe-Sets und Werkzeuge für den Bau von Notunterkünften.

Am Sonntag wollen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die Vereinten Nationen gemeinsam eine Geberkonferenz für den schon zuvor von einer Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Corona-Pandemie geplagten Libanon ausrichten. Auch US-Präsident Donald Trump kündigte seine Teilnahme an der Videokonferenz an, die Gelder für den Wiederaufbau von Beirut sammeln soll.

Aus Österreich wird laut Außenministerium kein Vertreter an der Konferenz teilnehmen. Die EU sei durch EU-Ratspräsident Charles Michel und den Ratsvorsitzenden deutschen Außenminister Heiko Maas vertreten, hieß es am Samstag auf APA-Anfrage.


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