Untreue-Prozess am Landesgericht: Sachwalterin leitete 135.621 Euro um

Onkels Geld floss in die Firma der Tochter: Sechs Monate bedingte Haft und 6480 Euro Geldstrafe waren die Folge.

Ein Koffer voll Geld und Sparbücher sollten laut besachwaltertem Onke­l einmal der Nichte gehören. Die griff darauf zu früh zu.
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Dass man sich als Sachwalter genauestens an die vorgeschriebenen finanziellen Gebarungen halten sollte, zeigte gestern ein Untreue-Prozess am Landesgericht. Angeklagt war eine Tirolerin, welche als Sachwalterin ihres Halb-Onkels bestellt worden war. Dazu öffnete das Pflegschaftsgericht der 49-Jährigen auch die Sparkonten des kränklichen Seniors. Dieser hatte sein Geld zusammengehalten – und zwar in einem Koffer, der große Mengen an Bargeld und Sparbücher enthalten hatte.

Zum Dank soll er der Nichte mehrfach in Aussicht gestellt haben, dass „dies einmal alles ihr gehöre“. So lange wollte die Frau aber offenbar nicht warten. Schließlich war deren Tochter 2018 gerade mit einer etwas holprig verlaufenden Firmengründung beschäftigt und konnte Zuwendungen der Mutter nur allzu gut brauchen. So behob die 49-Jährige in zwei Tranchen insgesamt 135.621 Euro „ihres Geldes“. Das Pflegschaftsgericht wusste allerdings weder von den edlen Absichten des Onkels noch von den Behebungen der Nichte. Als Justizia jene dann zur Rechnungslegung aufgefordert hatte, schritt diese gleich direkt zu Anwalt Michael Mikuz und zur Selbstanzeige.

Pech für die Angeklagte: Aufgrund von Schadenshöhe und Sachwalterschaft schlossen sich sowohl Diversion als auch tätige Reue aus. Verteidiger Mikuz: „Hier sind wirklich gleich mehrere Sachen dumm gelaufen. Bis jetzt hat die Mandantin bereits schon wieder 33.000 Euro zurückgezahlt.“ Richterin Heide Maria Paul: „Anerkennenswert, wie die Selbstanzeige, aber 130.000 Euro sind halt auch nicht nichts!“ Sechs Monate bedingte Haft und 6480 Euro Geldstrafe nahm die 49-Jährige sofort an.

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Auch ein „alter Bekannter“ fand sich gestern wieder einmal am Landesgericht ein. Nach Drogendelikten, einer Verurteilung wegen Raubes, Falschaussage und Verleumdung war es um den 25-Jährigen kurzzeitig ruhig geworden. Hatte er doch ein halbes Jahr eine Drogenentzugstherapie genossen. Genützt hat es freilich nichts, da Nachkontrollen wiederum Kokain im Blut aufgedeckt hatten. Dazu ging es gestern vor Richterin Sabin­e Krainer um den Verkauf von 900 Gramm Amphetaminen und 900 Stück Ecstasy-Tabletten.

„Wieder sind Sie in den falschen Freundeskreis gekommen und extrem schnell rückfällig geworden. Diesmal haben wir einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft – und da wüsste ich beim besten Willen nicht mehr, warum man Ihnen nochmals etwas bedingt nachsehen könnte!“, so Richterin Krainer. „Ja muss ich jetzt wirklich sitzen?“ Die Richterin nickte, verkündete 20 Monate Haft und 18.000 Euro Verfall an die Republik. (fell)


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