Versilbertes Gold: Jörg Fausers funkelnde Brando-Biografie

Jörg Fauser (1944–1987) nannte seine 1978 erstmals erschienene, nun im Rahmen der Fauser-Werkausgabe wieder aufgelegte, Marlon-Brando-Biografie „Der versilberte Rebell“ sein „wahrscheinlich bestes“ Buch. Nun gibt es eine Neuauflage.

Marlon Brando, 1962 im Film „Meuterei auf der Bounty“.
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Innsbruck –Jörg Fauser (1944–1987) nannte seine 1978 erstmals erschienene nun im Rahmen der Fauser-Werkausgabe wiederaufgelegte Marlon-Brando-Biografie „Der versilberte Rebell“ sein „wahrscheinlich bestes“ Buch. Wohl auch, weil Text und Thema seinem eigenen Temperament, seiner eigenwilligen Sensibilität bedrohlich nahe kamen.

In den End-Siebzigern war Brando einmal mehr auf dem Weg weg vom Fenster. Sein Auftritt in „Der letzte Tango von Paris“ (1972) ist gewissermaßen der Fluchtpunkt, auf den Fauser zusteuert. Das beinahe zeitgleiche, in Hollywood groß gefeierte Comeback in „Der Pate“ ignoriert er nicht, es interessiert ihn in seiner assoziativen Argumentation nur weniger. Überhaupt scheint der Großschauspieler bisweilen Vorwand, um über anderes nachzudenken, vor allem über die Kulturindustrie amerikanischer Prägung. Der hat sich Brando konsequent entzogen – und war eine Zeit lang trotzdem, oder weil die Kulturindustrie ein Hund ist, gerade deswegen, ihr Vorzeigestar.

Biografie

Jörg Fauser: Marlon Brando. Der versilberte Rebell.

Diogenes, 288 Seiten, 24,70 Euro.

Was Fauser über Brando schreibt, bleibt gültig – weil hieb- und stichfest recherchiert. Wie er über ihn schreibt aber, macht das Buch zum Meisterwerk: hochmusikalisch getaktet und trotzdem unvermittelt rotzig, leidenschaftlich, bisweilen gefährlich nah am Pathos, zornig, aber nie zynisch. Ganze Absätze möchte man anstreichen – und sie sich für ein Irgendwann merken. Oder abschreiben und wieder abschreiben. In der Hoffnung, diesem der Welt verpflichteten Stilisten wirklich auf die Schliche zu kommen. (jole)


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