Deutschland redet über Alko-Verbot in Bars und Kneipen

Weil Corona-Regeln zu wenig befolgt werden, denkt Berlin ein Alkoholverbot in Kneipen und Bars an. Breiter Protest regt sich.

Berlin ist für seine Party-Szene bekannt.
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Berlin – Nach der Debatte um Partys in Parks bringt die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) nun ein Alkoholverbot für Kneipen und Bars ins Spiel, zumindest wenn die ständigen Verstöße gegen die Corona-­Verordnungen nicht enden. Partyatmosphäre sei ein Infektions­risiko. Unterstützung bekommt sie vom Neuköllner Bezirksbürgermeister, der sich gut auskennt in seinem Kiez und über manche Entwicklungen „entsetzt“ ist. Aber eine seltene Koalition aus Linken, Grünen, FDP und Wirtschaft reagiert empört.

In Hamburg ist der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen in Szenevierteln am Wochenende seit Juli verboten, um Massen-Partys auf der Straße zu verhindern. Im partyverwöhnten Berlin halten viele Einschränkungen beim Alkohol für undenkbar. So twitterte Kultursenator Klaus Lederer (Linke): „Diese #Alkoholverbot-Nummer ist eine Räuberpistole. Trägt nichts bei zur Pandemieeindämmung.“ Derartige Vorschläge solle man „wenigstens drei Tage“ bedenken und diskutieren.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sprach von mündigen Bürgern, die selbst entscheiden könnten. Der Berliner FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja forderte, Alkohol lieber öffentlich zu trinken. Dort hätten Ordnungsamt und Polizei etwas Kontrolle über das Geschehen. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) monierte erst, „Prohibitionsdiskussionen“ würden nicht weiterhelfen. Sie betont­e, auch die „gebeutelte Gastronomie“ müsse die Regeln einhalten. Durchsetzen müssten diese aber Polizei und Ordnungsämter. Genau daran hapert es oft in Berlin. Kontrollen fallen in der Hauptstadt ohne Sperrstund­e, mit Hunderten Bars sowie jungen Touristen grundsätzlich schwer. (TT, dpa)

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