Das Coronavirus leert die Kassen der Tiroler Vereine

Kein Feuerwehrfest, keine Konzerte, Flaute für Sportevents. Das trifft Vereine und macht das Landleben fader.

Tote Hose: Heuer bleiben die Biertische leer.
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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Rote Fliege, Lederhose, volles Haus. Die Alpendales haben oberkörperfrei vor allem die Damenwelt fasziniert und im Ringerdress beide Geschlechter. „Jeden zweiten Samstag war Heimkampf. Jetzt geht gar nichts mehr. Das ist bitter“, sagt Klaus Draxl, Obmann der Inzinger Ringer. Keine Wettkämpfe, keine Umsätze, die ersten Sponsoren seien verständlicherweise abgesprungen. 20 bis 25 Prozent würden bereits in der Vereinskasse fehlen, sagt Draxl. Die Ringer haben nicht nur die Inzinger begeistert, sondern waren Magnet für ein breites Publikum landauf, landab.

Die Ringer aus Inzing können ihre Muskeln derzeit nicht spielen lassen.
© Alpendales

„Wir hatten einen VIP-Bereich. Dort liefen die Geschäfte, das Netzwerken. Da konnte man Sponsoren gewinnen.“ Diese Plattformen seien allesamt weggefallen. Die After-Fight-Party würden viele vermissen, nicht nur die Sportler, glaubt Draxl. Licht am Ende des Tunnels sieht er noch keines. Kontaktsportarten hätten es in Corona-Zeiten besonders hart.

Jeden zweiten Samstag war ein Heimkampf. Jetzt geht gar nichts mehr. Das ist bitter.
Klaus Draxl (Obmann Ringer Inzing, RSC)

Etwas besser geht es den vielen Fußballern. „Es ist ein großes Glück, dass wieder gespielt wird“, sagt Arno Bucher, Vizepräsident des Tiroler Fußballverbandes und Obmann des SV Kematen. Den Vereinen werden strikte Corona-Regeln verordnet. Abstandhalten und Auflisten, wer zum Spiel kommt, sind nur zwei der vielen Regeln. „Die Zuseher sind froh, dass zumindest wieder etwas los ist.“

Die Kantine ist der Hauptsponsor für viele Fußballvereine und fürs Sozialleben wichtig.
Arno Bucher (Vizepräsident Tiroler Fußballverband)

Die Sportler beleben nicht nur das Fußballfeld, sondern auch das Sozialleben. „Die Leute wollen sich treffen, sich austauschen.“ Das tat man früher vorzugsweise in der Kantine zum Wohle der Zuseher und des Vereins. „Die Kantine ist der Hauptsponsor für viele Fußballvereine und fürs Sozialleben wichtig.“ Heuer mache man das meiste im Freien. Fleischkassemmel, Grillwurst, Getränke, das war’s.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten - so ging es in Bierzelten noch vor einem Jahr zu.
© imago

Die Kemater waren vermutlich schon mal bessere Gastgeber, aber bei den vielen Spielregeln ist das schwierig. Allen Regeln zum Trotz wagen sich die Fußballer an ein Open-Air-Fest. Vier Leute an einem Tisch, dazu Die Edlseer aus der Steiermark. Das Fest am 22. August wird wegen der Restriktionen kein Kassenschlager. „Man will, dass sich was rührt, deshalb tun wir was“, meint Bucher.

Alles fällt flach. Das trifft sämtliche Feuerwehren, die kleinen am härtesten.
Peter Hölzl (Landesfeuerwehrkommandant)

Etwas Resignation ob der ausfallenden Feste und Veranstaltungen hat sich auch bei der Feuerwehr eingestellt. „Alles fällt flach. Das trifft sämtliche Feuerwehren, die kleinen am härtesten“, sagt Landesfeuerwehrkommandant Peter Hölzl. Jedes „Fescht“, jede Fahrzeugsegnung, sämtliche Bewerbe, keine Truppenübung, alles abgesagt. Dabei würden sich die Feuerwehren mit dem Erlös aus diesen Bereichen sowohl Gerät als auch Bekleidung finanzieren, die Bewerbe würden das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

Dazu komme der sozialer Aspekt für die Gemeinden, betont auch Hölzl. „Im Dorf ist nichts mehr los. Das geht an die Substanz.“

Wir fallen um die Ambulanzdienste bei Veranstaltungen um. Das ist viel Geld.
Christine Widmann (Pressesprecherin Rotes Kreuz)

Beim Roten Kreuz reißt das Fehlen von Veranstaltungen auch ein Loch in die Kasse. „Wir fallen um die Ambulanzdienste um. Das ist viel Geld“, erklärt Pressesprecherin Christine Widmann. Genau beziffern lasse sich das nicht. Je nach Bezirk würden andere Tarife verrechnet. Bei jedem Konzert, bei größeren Festen, überall schreibt die Behörde einen Ambulanzdienst vor.

Das Rote Kreuz hat kaum Einsätze.
© RK

Das Rote Kreuz kam als Anbieter oft zum Zug. Heuer nicht. Tote Hose im Sommer, da kann auch der Winter nicht helfen. „Das ist nicht mehr aufzuholen“, sagt Widmann. Zumindest Erste-Hilfe-Kurse könne das Rote Kreuz jetzt wieder anbieten. „Das Defizit durch die Pause können wir vielleicht wieder gutmachen.“


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