Zweieinhalbmal Mount Everest: Wörgler radelte 48 Stunden nonstop

48 Stunden lang radelte Alex Gindu am Wochenende nonstop die Wörgler Möslalm rauf und runter. Die Aktion brachte einen Muskelkater mit Mehrwert: 10.000 Euro für Familien in Not.

Nach 48 Stunden wurde Gindu im Ziel mit der obligatorischen Sektdusche empfangen
© Stadtmarketing/Ringler

Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Es wäre wohl für die meisten eine Herausforderung, 48 Stunden am Stück wach zu bleiben. Ganze zwei Tage lang einen sehr steilen Berg ohne Rast hinauf- und hinunterzuradeln, sprengt da bereits die Vorstellungskraft vieler. Doch er hat es getan: Alex Gindu bezwang von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag den Wörgler Hausberg Möslalm auf seinem Mountainbike – immer und immer wieder. Der Muskelkater war ihm ebenso gewiss wie viele Karma-Punkte: Mit seiner Aktion sammelte der „narrische Radler“ mindestens 10.000 Euro für in Not geratene Familien.

Jubel, Freude, Tränen: Am Sonntag um 14 Uhr gipfelte die Charity-Aktion vor der Almhütte auf knapp 1000 Metern Seehöhe. Strampler für Strampler näherte sich Gindu zum 54. Mal der Zieleinfahrt – nach 48 Stunden körperlicher Höchstleistung konnte er es kaum fassen: „Es ist geglückt“, schoss ihm durch den Kopf, als er mit einer Sektdusche empfangen wurde. Seine Endorphine feierten die Party ihres Lebens.

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Moralische Unterstützung: Kinder feuerten den „narrischen Radler“ mit Plakaten am Wegesrand an.

© Pircher

Zahlreiche Sportler begleiteten ihn für eine oder mehrere Runden.

© Stadtmarketing/Ringler

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„Die erste Nacht war das Schlimmste“, erinnert sich Gindu, wie er nach den ersten zwölf Stunden mit Magenproblemen zu kämpfen hatte. Ans Aufgeben habe er aber nie gedacht. Ansonsten sei nämlich alles „eh voll lässig“ gewesen – wobei das in diesem Leistungsbereich eine relative Bewertung ist. „Wenn einem danach nichts weh tun würde, wäre es auch nicht normal“, wirkt der 37-Jährige im TT-Gespräch gestern Nachmittag nach nur wenigen Stunden Schlaf recht fit. Möglich sei alles nur durch seine Crew, dankte der Wörgler einmal mehr den freiwilligen Helfern, die 12-Stunden-Schichten und mehr schoben. Sie fütterten ihn mit Happen, massierten die schier versteinerten Wadln, überprüften das Rad – und das rund um die Uhr. „Beim Bergabfahren sind einige Bremsbeläge draufgegangen“, scherzt Gindu.

Mentale Unterstützung gab es auch entlang des 3,3 Kilometer langen Forstwegs, einige Sportler begleiteten Gindu für eine oder mehrere Runden. „Wahnsinn, was da los war“, ist Gindu immer noch von der großen Unterstützung vor Ort begeistert. Diese und andere Sponsoren dürften sich auch großzügig gezeigt haben: Beim Stadtmarketing geht man von etwa 10.000 Euro an Spendengeldern aus – wobei die Box auf der Alm erst geleert werden muss. Das Geld geht nun an „Licht für Wörgl“. Die Initiative unterstützt finanziell in Not geratene Familien aus der Gemeinde.

Zweimal war Gindu in den vergangenen Jahren schon für 24 Stunden auf dem Rücken der Möslalm unterwegs. Am Wochenende legte er etwa 22.000 Höhenmeter zurück – das entspricht mehr als zweieinhalbmal der Höhe des Mount Everest. Was kommt als Nächstes? „Erst mal warte ich ab, bis meine Wehwehchen verheilt sind. Danach mache ich mir Gedanken“, zeigt sich der Baupolier gelassen. Spätestens morgen geht der körperliche Einsatz für ihn weiter: Dann steht er beruflich wieder am Bau.


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