Junge tappen in Drogenfalle: „Die Jüngsten sind 12 Jahre alt“

In den vergangenen Monaten nahm bei Tiroler Jugendlichen der riskante und unreflektierte Drogenkonsum zu. Immer häufiger werden die illegalen Substanzen im Internet bestellt.

Tödlicher Mix: Laut der Chefin des Landeskriminalamts, Katja Tersch, führt oft „ein Mix aus mehreren Drogen“ zum Tod von Jugendlichen und von erwachsenen Drogenopfern.
© iStockphoto

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Binnen weniger als zwei Jahren sind in Tirol zwei sehr junge Menschen aufgrund ihres Drogenkonsums gestorben – im Vorjahr ein 15-Jähriger aus dem Raum Innsbruck, erst vergangene Woche eine 13-Jährige in einer Wohnung in Telfs. Das Mädchen ist, wie berichtet, das jüngste je im Land verzeichnete Suchtmittelopfer. Wegen dieser Häufung darauf zu schließen, dass immer mehr Jugendliche harte Drogen konsumieren, ist laut Experten falsch. Allerdings wurde insbesondere in den vergangenen Monaten ein Anstieg des unbedachten und leichtsinnigen Substanz-Gebrauchs verzeichnet.

Kathrin Sevecke, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie am Landeskrankenhaus Hall, sagt, dass sie und ihre Mitarbeiter beobachtet hätten, „dass Jugendliche in der Zeit ab März Drogen riskanter und unreflektierter konsumiert haben“. Das liege hauptsächlich daran, dass es in den vergangenen Monaten wegen des Shutdowns schwieriger gewesen sei, „sich darüber zu informieren, wie die Substanzen dosiert werden müssen oder kombiniert beziehungsweise nicht kombiniert werden können“. Dabei sei Aufklärung sehr wichtig, sagt Sevecke. „Jugendliche müssen über Wirkungs- und Risikopotenzial von Substanzen Bescheid wissen.“ Direkte Beratungen während der Hochphase der Corona-Krise zu reduzieren, ist laut der Klinik-Direktorin rückblickend ein Fehler gewesen. „Das merken wir auch bei uns auf der Station.“ Sie pocht darauf, dass auch im Fall einer zweiten Corona-Infektionswelle Hilfsangebote für suchtkranke Jugendliche aufrechterhalten werden.

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