Zu wenig Jobs für Junge: Sorge um „verlorene Generation“

Weniger Stellen für Junge dürften den künftigen Facharbeitermangel noch verschärfen, ÖGB und SP fordern Fonds für Lehre, Schule und Uni.

Für junge Menschen in oder nach ihrer Ausbildung gibt es derzeit laut Experten wenig Chancen am Arbeitsmarkt.
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Innsbruck – Eine „verlorene Fachkräfte-Generation“ durch die aktuelle Corona-Krise fürchtet auch Philip Wohlgemuth. Der Tiroler ÖGB-Vorsitzende sieht einen massiven Wegfall von Lehrstellen auf Tirol zukommen. „Viele bereits zugesagte Lehrstellen wackeln, viele Jugendliche stehen plötzlich vor einer unsicheren Zukunft.“ Es müssten Lehrstellen sichergestellt werden, ansonsten fehlten in drei Jahren wichtige Fachkräfte für die ­Wirtschaft.

AMS-Chef Anton Kern sieht, wie berichtet, gerade für 18- bis 25-jährige Berufseinsteiger Probleme am Arbeitsmarkt. Kern betont die Bedeutung von Weiterbildung. Noch sei nicht klar, wie die von der Bundesregierung für Herbst angekündigten 700 Mio. Euro Stiftungsgeld verwendet werden sollen, für das AMS sei es jedoch möglich, in wenigen Monaten entsprechende Kursangebote passend zur Situation am Arbeitsmarkt zu schaffen.

Erwin Zangerl 
(AK-Präsident): „Wer glaubt, dass Kurzarbeit die Beschäftigten verwöhnt, der lebt komplett an der Realität vorbei.“
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Auch ÖGB-Chef Wohlgemuth sieht die Politik gefordert, er will die Aufstockung von Ausbildungsplätzen im landeseigenen und landesnahen Bereich, einen Ausbildungsfonds zur Unterstützung der Lehrausbildung in den Betrieben sowie die weitere Stärkung der überbetrieblichen Lehrausbildung. Wichtig sei auch ein Corona-Not-Ausbildungsfonds zur Unterstützung von Betrieben, die trotz Corona-bedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten Lehrlinge ausbilden.

Wohlgemuth will auch eine Reform des Bestbieterprinzips für staatliche Ausschreibungen mit besonderem Augenmerk auf die Lehrausbildung in die Wege leiten. Ein „Zukunftspaket für junge Menschen“ fordert SP-Jugendsprecherin Elisabeth Fleischanderl. Das Land solle damit zweckgebunden und individuell entweder Lehrstellen oder schulische und universitäre Ausbildungen mitfinanzieren.

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Die Corona-Krise verschärft laut Experten aber nicht nur die Situation von jungen Menschen am Arbeitsmarkt, zahlreiche Unternehmen setzen auf die Corona-Kurzarbeit. Von März bis Mitte August wurden laut Zahlen des AMS für 10.500 Tiroler Unternehmen Kurzarbeitsprojekte genehmigt, davon 3440 Verlängerungen.

Unterdessen reagierte Arbeiterkammer-Chef Erwin Zangerl empört auf den Vorwurf von Unternehmern, die sich, wie berichtet, über die fehlende Motivation von Mitarbeitern nach einer Kurzarbeitsphase beklagten. „Wer glaubt, dass Kurzarbeit die Beschäftigten verwöhnt, der lebt komplett an der Realität vorbei.“ Diese Aussagen zeigten deutlich, wie sich einige Wirtschaftler die Realität zurechtbiegen wollen, erklärte Zangerl. (ver)


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