„Das Spiel“: Als hätte es Mauser und Bussi gar nie gegeben

Wer Joe Fischlers bisherige Krimis gelesen hat, fragt sich, warum er so lange mit seinem fulminanten Nervenkitzel „Das Spiel“ zugewartet hat.

Der Innsbrucker Krimiautor Joe Fischler katapultierte sich beinahe thrillermäßig auf die Bestsellerliste des Spiegels.
© Andreas Rottensteiner

Von Peter Nindler

Innsbruck – Es gibt Glücksfälle im Leben. Generell und speziell auf der Lebensreise eines Krimiautors. Mit der Trennung von seiner Kommissarin Valerie Mauser, genannt „Veilchen“, hat der Innsbrucker Joe Fischler seine bisweilen hausbackene Krimi-Dramaturgie verlassen. Denn seine fünf „Veilchen“-Fälle reihten sich ermüdend in die Fülle von Heimatkrimis ein, die meist mit holprigem Humor und brachial-skurriler Offenbarung menschlicher Schwächen eine an sich ergiebige Kulisse für die seelischen Abgründe einfach plattgewalzt haben.

Deshalb überraschte Joe Fischler schon 2019 im „Schnitzelparadies“ mit seinem neuen Inspektor Arno Bussi, heuer im April ermittelte der nach Wien versetzte Kommissar dann rund um die „Toten am Lärchensee“. Die Sprache klar, die Charaktere gut gezeichnet und die Handlung mit Spannungsbögen ohne Atemnot kurzweilig erzählt – Fischler verzichtet auf Überfrachtungen und reduziert sich auf das Schnörkellose. Das weckt Neugierde, sie ist der Pulsschlag eines jeden Krimiplots. Weil der Autor nach wie vor in Klischees abgleitet und damit Konflikte zwischen Lederhose (Arno Bussi) und dem Berlinerischen von Kommissarin Katz (Landeskriminalamt) inszeniert, bleibt Fischler leider kurz vor dem Ziel stecken.

Und jetzt? Unter dem Pseudonym Jan Beck rauscht der Innsbrucker mit seinem ersten Thriller „Das Spiel – Es geht um dein Leben“ plötzlich auf die Spiegel-Bestsellerliste. Darknet, Europol, eine mörderische Jagd durch halb Europa als Spiel arrangiert und scheibchenweise filetierte Psychogramme der beiden Mord-Ermittler Christian Brand und Inga Björk eröffnen ein Paralleluniversum zu Joe Fischlers bisherigem Schaffen.

Völlig losgelöst von den Verbrechen zwischen Berggipfeln und alpinen Hardcore-Typen gelingt ihm ein Nervenkitzel-Debüt, das beinahe sprachlos macht. Als hätte es Valerie Mauser und Arno Bussi gar nicht gegeben. Bei der weltweiten und kaum noch zu überblickenden inflationären Thrillerjagd überrascht Fischlers gut komponiertes Spannungsmosaik mit den wohl durchdachten und keinesfalls ermüdenden Puzzlesteinen umso mehr.

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Natürlich übernimmt er Erfolgsmuster von Schwedenkrimis, die in den menschlichen Untiefen von Tätern, Opfern und Kriminalkommissaren herumsurfen. Doch kriminalistisches Benchmarking muss nicht per se in die Hose gehen. Fischler balanciert die Ermittlungen in dem tödlichen Spiel bis zur überraschenden Wende am Schluss messerscharf wie auf einer Rasierklinge.

Es schmerzt richtig, das Ende erlöst. Auch das hat Fischler geschafft: rechtzeitig vom Spiel loszulassen.

Thriller Jan Beck: Das Spiel – Es geht um dein Leben. Penguin, 480 Seiten, 15,50 Euro. Buchpräsentation: Samstag, 22. August, im Rathaussaal Telfs. Beginn: 20 Uhr.


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