SPÖ und ALI: „Stadt Innsbruck muss den eigenen Leerstand bekämpfen“

SPÖ und Alternative Liste Innsbruck fordern die soziale Zwischennutzung bzw. Sanierung von leer stehenden Stadtwohnungen ein.

Am Haydnplatz zeigen zugeklebte Postkästen die zahlreichen Leerstände an. SPÖ und Alternative Liste sehen dringenden Handlungsbedarf.
© Alternative Liste Innsbruck

Innsbruck – Die Stadt Innsbruck müsse bei der Mobilisierung von Wohnungsleerstand „mit gutem Beispiel vorangehen“, fordern die SPÖ und die Alternative Liste Innsbruck (ALI) – und gingen dazu gestern den ungewohnten Weg einer gemeinsamen Presseaussendung. Leerstand am Privatmarkt werde immer wieder beklagt, hier habe Innsbruck ohne Bund und Land aber kaum Einfluss. Umso mehr müsse die Stadt selbst „ihre Hausaufgaben machen“ und den eigenen Leerstand mobilisieren, betonen ALI und SPÖ.

ALI-Gemeinderat Mesut Onay fordert etwa eine „soziale Zwischennutzung“ für leer stehende Wohnungen im Bereich des Eichhof-Gevierts in Pradl. Im Zuge der – bereits angelaufenen – Eichhof-Erneuerung sollen auf dem Gesamtareal ja schrittweise 387 neue Wohnungen errichtet und dafür ein Teil des Altbestandes abgerissen werden. Voraussetzung ist, dass sich die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) jeweils mit den betreffenden Mietern einig wird.

Onay schlägt vor, dass die IIG Wohnungen, „die länger leer stehen und in gutem Zustand sind“, an die Innsbrucker Sozialen Dienste vermieten solle, damit Menschen mit akutem Wohnbedarf dies­e temporär nützen können – allen voran wohnungslose Frauen.

IIG-Geschäftsführer Franz Danler schickt voraus, dass so etwas eine „politische Entscheidung“ sei. Grundsätzlich werde (institutionelle) Zwischennutzung teils schon praktiziert, etwa im Schlachthofblock in Dreiheiligen. Ein Großteil der leer stehenden Wohnungen, etwa in Pradl, sei aber „stark abgewohnt“ und in keinem brauchbaren Zustand für eine Zwischennutzung. Das habe man z. B. beim Gebäude Lindenstraße 19 überprüft. Dieses soll laut Danler nun im Herbst (nach Ende der sommerlichen Gastgartensaison bei der angrenzenden Konditorei) abgebrochen werden: Im zweiten Bauabschnitt der Eichhof-Erneuerung sind rund 30 neue Wohnungen geplant (Baubeginn 2021).

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Ihm gehe es aber vor allem um leere Wohnungen in Gebäuden des Eichhofs, in denen erst ein Teil der Bewohner abgesiedelt ist, präzisiert Onay: Diese würden noch Jahre leer stehen, „weil die IIG die verbliebenen Mieter nicht so schnell hinausbekommt“. Er wolle bezüglich sozialer Zwischennutzungskonzepte weiter das Gespräch mit Entscheidungsträgern in Stadt und Land suchen, mit Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) sei er schon in Kontakt getreten.

Als weiteres Beispiel für städtischen Leerstand führen SPÖ und ALI die Wohnungen am Haydnplatz 5 an: Über 50 Einheiten würden hier leer stehen, meist schon seit mehr als zwei Jahren. Die Sanierung der Wohnungen sei schon seit Langem geplant, ein Grundsatzbeschluss lieg­e vor. „Die IIG sind startklar, aber es gibt noch immer keine Finanzierungszusage seitens der Stadt“, kritisiert SPÖ-Klubobmann Helmut Buchacher, selbst Aufsichtsrat der IIG.

Der Zustand der Wohnungen sei „der Stadt Innsbruck nicht würdig“, die Stadtführung müsse „endlich in die Gänge kommen“. Ähnliches gelte für die Neuausrichtung des Areals Schlachthofblock, wo ebenfalls ca. 50 Wohnungen leer stünden. Eine Projektgruppe habe hier gute Vorarbeit geleistet, „nun muss es in die Umsetzung gehen“, schließt Buchacher. (md)


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