Urlaub neben einer Ruine? In St. Jodok bleiben nach Explosion die Gäste aus

Am 23. September 2019 flog mitten in St. Jodok im Valsertal ein Haus in die Luft. Ein Jahr später sorgt die Ruine für wenig Freude im Ort.

In St. Jodok steht immer noch die Ruine des explodierten Hauses.
© Vanessa Rachlé / TT

Von Irene Rapp

Vals, St. Jodok – Eine angebohrte Gasleitung war der Grund für eine Explosion, die im September vor einem Jahr das Land schockte. Dabei flog in St. Jodok im Valsertal ein Gebäude mit Wohnungen und Nahversorger in die Luft. Eine 91-jährige Frau verlor dabei ihr Leben, zahlreiche Personen wurden verletzt.

„Man kann von Glück reden, dass nicht noch mehr passiert ist“, sagt der Valser Bürgermeister Klaus Ungerank ein Jahr später. Denn das Unglück ereignete sich mitten im Dorf schräg gegenüber der Kirche. Diese zentrale Lage ist auch der Grund, warum das Ereignis immer noch den Ort bestimmt.

Denn nach dem Vorfall wurden lediglich die Trümmer von der Straße weggeräumt und zwei Seiten des Hauses mit einer Holzwand eingegrenzt. Dahinter zeigt sich aber nach wie vor das ganze Chaos, liegen Schutthaufen herum und fallen immer wieder Teile herab.

© Vanessa Rachlé / TT

Für Nachbarin Meike Larcher ein untragbarer Zustand. „Das ist ein Schandfleck. Bei bestimmten Wetterlagen ,brantelet‘ es auch“, beschreibt sie entstehende Gerüche. Zudem würden immer wieder Teile von dem Haus abbrechen.

Ähnliches berichtet Petra Zwölfer, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Patrick das direkt angrenzende Gasthaus Lamm mit elf Gästezimmern gepachtet hat. Die Ruine sei nicht nur für sie als Privatperson eine ständige Erinnerung an das dramatische Ereignis. „Für uns bedeutet das auch eine wirtschaftliche Katastrophe. Wir haben heuer z. B. keine kurzfristigen Übernachtungsgäste mehr und wir haben auch Gäste, die nicht buchen, weil sie sagen, sie wollen nicht neben dieser Ruine ihren Urlaub verbringen.“

Auch Ungerank hat keine Freude mit diesem Anblick mitten in St. Jodok. Nicht nur, weil immer noch nicht aufgeräumt, sprich, die Trümmer beseitigt wurden. Sondern auch, weil Gespräche mit den zwei Hauseigentümern bislang zu keinem Ergebnis geführt haben. „Wir wollen wieder einen Nahversorger und auch die Raika wäre an dem Gebäude interessiert gewesen“, sagt Ungerank.

Alle Verhandlungen seien aber im Sand verlaufen. Stattdessen gab es neuen Ärger. Einer der Besitzer ließ auf einem halbwegs intakt gebliebenen Teil des Hauses den Dachstuhl renovieren. „Den Bau musste ich jedoch einstellen lassen, weil es dafür keine Bewilligung gab und ich als Bürgermeister auch für das Dorfbild verantwortlich bin“, sagt Ungerank. Was die Beseitigung der Trümmer anbelangt, seien ihm aber die Hände gebunden: „Da könnte ich zwar ein Gutachten erstellen lassen, wenn Gefahr im Verzug ist. Gefährdungspotenzial sehe ich allerdings derzeit nicht.“

© Vanessa Rachlé / TT

Nur ein von den zwei Besitzern eingereichter Bauplan für ein Doppelwohnhaus hinter der Ruine sei inzwischen bei der Gemeinde eingelangt. „Ich brauche aber ein Gesamtkonzept – einschließlich der Fläche, wo jetzt das beschädigte Haus steht –, um weiter entscheiden zu können“, sagt Ungerank.

Die zwei Besitzer wollten zu der Angelegenheit nicht viel sagen. Einer war trotz einiger Versuche telefonisch nicht erreichbar. Mit dem zweiten – Hermann Ungerank – gab es ein kurzes Gespräch, dann rief seine Frau zurück. „Versicherungstechnisch ist noch nicht alles geklärt. Über alles andere wollen wir nicht reden“, so Margarita Ungerank.

Für Meike Larcher wiederum steht fest, dass dieser „Sauhaufen“ endlich wegmüsse. Und auch Petra Zwölfer hofft auf eine schnelle Lösung. „Die Explosion war für alle schlimm im Dorf. Die Hilfsbereitschaft danach war groß. Aber mit dieser Ruine werden wir jeden Tag daran erinnert. Das ist wie Psychoterror.“


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