Im Herz-Notfall zählt jede Minute: Defibrillatoren retten Leben

Rettungsorganisationen im Dolomiti-Live-Gebiet der Provinz Belluno, Südtirols und Osttirols wollen die Verbreitung von Defibrillatoren fördern. Die automatischen Geräte retten bei rechtzeitigem Einsatz Leben.

Rotkreuz-Geschäftsführer Stephan Hofmann und Mitarbeiter Manuel Jesacher (r.) setzen auf weitere Defibrillatoren in Osttirol.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz – Im Fall eines Herzstillstandes sinkt mit jeder Minute, die bis zum Einsatz eines Defibrillators vergeht, die Überlebenschance um zehn Prozent. Das Gerät kann durch gezielte Stromstöße, denen der Patient über Elektroden ausgesetzt wird, akute Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern beenden, bevor professionelle Notfallhilfe am Einsatzort eintrifft.

Schaltet man einen solchen Defibrillator ein, gibt einem eine Computerstimme laut und deutlich Anleitung, was zu tun ist. „Die Geräte sind heute so einfach zu bedienen, dass man als Laie zum Lebensretter werden kann“, sagt Stephan Hofmann, Geschäftsführer der Bezirksstelle des Roten Kreuzes in Lienz.

Manuel Jesacher, hauptberuflicher Mitarbeiter der Rettungsorganisation, hat die Anzahl und Verteilung der öffentlich installierten Defibrillatoren in Osttirol erhoben. Rund dreißig Stück befinden sich zumeist im Eigentum der Gemeinden oder großen Unternehmen. Allerdings sind die Geräte nicht immer rund um die Uhr für jedermann zugänglich. „Im Alto Bellunese und in Südtirol ist man uns da voraus“, sagt Hofmann. „Wir müssen die Geräte bei uns aus den Gebäuden ins Freie bekommen.“ Auf italienischem Staatsgebiet sind zumeist eigene Notfallsäulen mit Defibrillatoren installiert, und zwar an viel frequentierten öffentlichen Plätzen wie Haltestellen oder auf Dorfplätzen. Gemeinsam mit den Rettungorganisationen Weißes Kreuz EO und Azienda ULSS n. 1 Dolomiti in diesen beiden Nachbarregionen plant das Rote Kreuz Osttirol den flächendeckenden Ausbau der Versorgung mit Defibrillatoren. Ein zwei Jahre dauerndes Interreg-Projekt soll 80 Prozent der Kosten von rund 200.000 Euro zu den Eigenmitteln der Rettungsorganisationen beisteuern. Nicht nur der Beschaffungsprozess soll in den Regionen vereinheitlicht werden. Auch die Schulung der Retter und in weiterer Folge der Bevölkerung will man abstimmen.

„Die bisherige Zusammenarbeit läuft sehr gut“, erklärt Hofmann. In Osttirol sollen im Projektverlauf sieben neue Geräte und insgesamt 16 wettergeschützte und temperierte Schutzkästen für den Außenbereich angeschafft werden. Die Kosten für einen Defibrillator belaufen sich auf 1000 bis 1500 Euro. „Inzwischen erlernt man den Einsatz der Geräte auch bei jedem Erste-Hilfe-Kurs“, erläutert Hofmann. Es soll künftig auch eine Karte mit allen Standorten veröffentlicht werden.

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