Mobile Plattform vor Z6: „Öffentlicher Raum ist eine Form der Wertschätzung“

Eine neue Plattform vor dem Innsbrucker Jugendzentrum Z6 soll die Arbeit dieser und anderer Institutionen – auch symbolisch – nach außen öffnen.

Verschiedene Nutzer sollen die mobile Plattform vor dem Jugendzentrum Z6 in der Dreiheiligenstraße gemeinsam bespielen. Z6-Geschäftsführerin Elfriede Oblasser (l.) und Johanna Lore Alexander vom ISD-Sozialzentrum wollen damit auch den nachbarschaftlichen Austausch anregen.
© Domanig

Innsbruck – Viele Passanten haben sie wohl schon bemerkt – die neue Gehsteigerweiterung in Form einer mobilen Plattform vor dem bekannten Innsbrucker Jugendzentrum Z6. Sie trat erst vor wenigen Tagen an die Stelle einiger Kurzparkzonenplätze in der Dreiheiligenstraße.

Aus Sicht der Stadt Innsbruck – der Stadtsenat hat die kostenlose Grundüberlassung für vorerst ein Jahr mehrheitlich beschlossen – verbinden sich mit der Plattform mehrere Ziele: Sie soll es Jugendlichen und anderen Nutzern naher Einrichtungen ermöglichen, sich auch im Freien aufzuhalten, ohne dass es am Gehsteig zu eng und gedrängt wird – wie das in der Vergangenheit teils der Fall gewesen war. Zugleich soll der Stadtteil Dreiheiligen insgesamt weiter aufgewertet werden. Der Platz vor der Dreiheiligenkirche wurde ja erst vor einigen Jahren neu gestaltet.

„Jugendlichen öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen, ist eine Form der Wertschätzung und auch des Sichtbarmachens“, bedankt sich Elfriede Oblasser, Geschäftsführerin des „Z6 – Zentrum für Jugendarbeit“, bei der Stadtführung.

„Wir erfahren von Anrainern auch viel Solidarität und Wertschätzung.“
Elfriede Oblasser
(Geschäftsführerin Z6)

Johanna Lore Alexander, Leiterin der Sozialzentren Saggen und Dreiheiligen bei den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD), begrüßt die Plattform als „Öffnung nach außen“ – im doppelten, auch symbolischen Sinne: Zum einen könne man sie mitnutzen – z. B. mit Senioren dort Kaffee trinken, Beratungsgespräche nach draußen verlagern, Infomaterial auflegen – und zum anderen „unsere Arbeit präsenter machen“.

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Man hoffe auch, Begegnungen zwischen den Generationen anzuregen. Gerade ältere Menschen hätten oft weniger Berührungsängste mit Jungen, die teils Kriegs- und Fluchterfahrung mitbringen, meint Oblasser.

Zugänglich ist die Plattform unter der Woche während der Öffnungszeiten des Z6, also nachmittags und abends bis maximal 21 oder 21.30 Uhr. Am Wochenende finden im Z6 Fremdvermietungen an junge Vereine und Veranstalter statt. Hier sei „nicht vorgesehen, dass die Außenplattform genützt wird“, es werde auch keine permanenten Außenmöbel geben, erklärt Oblasser.

Sie und Alexander sind sich einig: Dieser Teil von Dreiheiligen sei immer schon von Jugendlichen genützt worden – bereits in Zeiten, als hier noch das Kolpinghaus samt Kino stand. Das Z6 ist seit Mitte der 80er-Jahre an diesem Standort – und immer seien unter den Jugendlichen auch „marginalisierte Gruppen“ gewesen, so Oblasser.

Später entstand in der Dreiheiligenstraße eine Art „integratives Sozialhaus“ – u. a. sind hier auch das Alexihaus (Unterkunft für obdachlose Menschen), ein Studierendenheim und eben das Sozialzentrum Dreiheiligen angesiedelt.

„Wir können mit unserer Arbeit nun im doppelten Sinne nach außen gehen.“
Johanna Lore Alexander
(ISD-Sozialzentrum)

Nutzungskonflikte und Beschwerden aus der Nachbarschaft – die rund ums Z6 mehrfach laut wurden – werde es „im urbanen Raum stets geben“, betonen Oblasser und Alexander. Man versuche, mit offener Kommunikation darauf einzugehen – etwa bei Nachbarschaftsfrühstücken, die ein- bis zweimal jährlich stattfinden. „Wir erfahren von Anrainern aber auch viel Solidarität und Wertschätzung für unsere Arbeit“, sagt die Z6-Geschäftsführerin.

Mit dem heutigen Montag endet die kurze Sommerpause im Z6. Schon zwei Wochen nach dem Lockdown im März sei man wieder für Face-to-face-Krisengespräche im „Einzelsetting“ zur Verfügung gestanden, erinnert sich Oblasser, dazu kam Sozial- und Kulturarbeit über Online-Kanäle. Seit 15. Mai ist das Jugendzentrum wieder offen – worüber beide Seiten froh sind: „Durch den Verlust von Arbeits-, Lehr- und Kursplätzen, aber auch Vereinsamung war eine viel stärkere psychische Belastung bei den Jugendlichen feststellbar.“

Sozialstadtrat Vize-BM Hannes Anzengruber (ÖVP) hofft, dass sich die neue Plattform „positiv auf das soziale Gefüge im Stadtteil auswirkt“. Sollte es „wieder in eine andere Richtung gehen, muss man es sich neuerlich anschauen und weiter optimieren“. (md)


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