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Es fährt ein Zug nach Nirgendwo ...: Viele offene Fragen beim Brennerbasistunnel

Probleme beim größten Baulos „Pfons-Brenner“, Bayern bremst beim Nordzulauf: Dem Brennertunnel steht ein heißer Herbst bevor.

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Bisher wurden 127 Kilometer der insgesamt im Projekt vorgesehenen 230 Tunnelkilometer samt Erkundungsstollen und Zufahrtstunnel errichtet.
© BBT

Innsbruck – Viele offene Fragen kreisen derzeit um den Bau des 55 Kilometer langen und 9,3 Milliarden Euro teuren Brennerbasistunnels. Einige sollten bis Herbst geklärt sein, geht es doch auch um 737 Millionen Euro, die aus der laufenden EU-Finanzierungsperiode noch aus Brüssel abgeholt werden sollten. In den nächsten Tagen werden die beiden Tunnel­manager Martin Gradnitzer und Gilberto Cardola wohl für einige Klarheit sorgen, schließlich wurde bereits vor Monaten ein überarbeiteter Zeit- und Kostenplan angekündigt.

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Ein wunder Punkt dürft­e dabei das größte Baulos zwischen Pfons und dem Brenner sein. Wegen eines eineinhalbjährigen Rechtsstreits um die Vergabe gab es bereits große Verzögerungen, jetzt gibt es technische Differenzen mit dem Generalunternehmen. Es soll um nicht weniger als 100 Millionen Eur­o gehen. Schon seit Monaten wird um eine Einigung gerungen. Innerhalb der Tunnelgesellschaft ist nach den vorjährigen Turbulenzen im Vorstand aber Ruh­e eingekehr­t, das neue Vorstandsduo Gradnitzer und Cardola ist energisch darauf bedacht, an einem Strang zu ziehen.

Während die italienische Verkehrsministerin Paola De Micheli überraschend optimistisch ist, dass der Bau des Brennerbasistunnels sogar zwei Jahre früher als geplant bereits 2026 abgeschlossen werden könnte – zumindest auf italienischer Seite –, gehen nicht nur Experten von einem deutlich späteren Zeitpunkt aus. Selbst die Basistunnelvorstände haben bereits Verzögerungen eingeräumt, wahrscheinlich wird der Tunnel erst 2030 in Betrieb gehen.

Für die notwendige Zulaufstrecke im bayerischen Inntal noch viel zu früh. Dort spitzt sich der Streit um die Trass­e weiter zu. Die Politik im Landkreis Rosenheim lehnt die fünf Trassenvorschläge der Deutschen Bahn (DB) ab und fordert Tunnellösungen. Angesichts der vorhandenen Infrastruktur bleibe kein Spielraum für eine verträgliche oberirdische Neubautrasse, heißt es. Nur: Für die deutschen Bahnmanager gibt es dafür wenig Spielraum.

Anfang 2021 soll jedenfalls die Vorzugstrasse vorliegen. „Wir sehen den Ergebnissen der Raumordnung erwartungsvoll entgegen. Damit beginnt die entscheidende Phase der Trassenauswahl“, sagte DB-Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier. Man begrüße die Vorschläge aus der Region, ein Austausch mit den Verantwortlichen habe stattgefunden, teilte er mit. Aber: Eine Realisierung der Tunnellösung im Bereich von Oberaudorf erscheint ihm nach heutigem Stand schwer vorstellbar. Ein Faktor sei das Begegnungsverbot im Tunnel. „Neben technischen Aspekten stellt sich die Frage, ob eine Genehmigungsfähigkeit überhaupt denkbar ist“, betont Neumaier abschließend.

Mit dem Trassenvorschlag Anfang 2021 dürfte die Diskussion wohl in die Verlängerung gehen, die Fertigstellung wird vor 2050 deshalb nicht möglich sein. (pn)


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