Innsbrucker Forscher: Hoffnung für Patienten mit Leberzirrhose

Ausgerechnet ein eigentlich schon gut erforschtes Eiweiß könnte bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen Linderung verschaffen.

Die meisten Leberzirrhosen in Europa sind auf Alkohol zurückzuführen.
© iStockphoto

Von Gabriele Starck

Innsbruck – Es ist ein Protein, mit dem sich Forscher schon seit Jahrzehnten beschäftigen und trotzdem entdecken sie in ihm noch immer neue und vielversprechende Fähigkeiten. Forscher an der Medizin-Uni Innsbruck haben jetzt im Tiermodell herausgefunden, dass Alpha-1 Antitrypsin, kurz AAT genannt, ein Therapieansatz bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen sein könnte – egal, ob durch Alkohol, Hepatitis oder anders verursacht.

AAT ist ein Eiweiß, das den Organismus vor anderen Eiweißen schützen soll. Vor jenen nämlich, die Eindringlinge wie Bakterien oder Viren bekämpfen, manchmal aber übers Ziel hinausschießen und beginnen, körpereigene Strukturen zu zerstören. Um diese so genannten Autoimmunreaktionen zu verhindern, setzt der Körper Schutzstoffe ein, das AAT ist so einer. Es zählt zu den so genannten Akutphase-Eiweißen, wird also immer dann vermehrt produziert, wenn irgendwo im Körper etwas brennt. Das AAT reguliert dann die Entzündung, begrenzt oder stoppt sie.

Produziert ein Mensch, genetisch bedingt, zu wenig von diesem Eiweiß, führt der Mangel zu Veränderungen in der Lunge, sprich einem Lungenemphysem. Deshalb erhalten diese Patienten Infusionen mit AAT, um die Lungenzerstörung aufzuhalten.

Die Innsbrucker Christoph Grander, Benedikt Schäfer, Julian Schwärzler und Heinz Zoller haben sich jetzt angeschaut, wie es um das Eiweiß bei Lebererkrankungen steht. Denn AAT wird in der Leber produziert. Bei Leberzirrhose-Patienten fand sich das Eiweiß aber kaum noch, weil das Organ das wichtige Protein nicht mehr produzieren kann. Deshalb hat das Team um Internist Herbert Tilg ein Tiermodell entwickelt, um zu schauen, ob ein höherer AAT-Spiegel vor Leberentzündung schützen oder sie lindern könnte.

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Dazu haben sie Mäusen, die normalerweise bei massiver Verabreichung von Alkohol ebenfalls eine schwere Leberentzündung entwickeln würden, ein Gen verpasst, das dafür sorgt, dass ihre Leber ständig menschliches AAT produziert. Und tatsächlich: Das Organ war geschützt – trotz des Alkohols.

Das AAT-Präparat gibt es. Es ist zugelassen und gut verträglich. Doch für eine Behandlung von Leber-Patienten müssten erst klinische Studien durchgeführt werden – eine teure Angelegenheit. „Wir suchen deshalb Partner, die uns zumindest das Präparat zur Verfügung stellen“, sagt Tilg. Das Interesse der Industrie für Forschung, die Alkoholkranken hilft, sei aber enden wollend: „Wenn es um den Konsum geht, hat der Alkohol eine große Lobby, in der Medizin ist sie nur noch sehr bescheiden.“


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