Binderholz expandiert in den Wachstumsmarkt USA

Das Fügener Unternehmen Binderholz produziert erstmals außerhalb Europas. Um 61 Mio. US-Dollar wurde „Klausner Lumber One“ erworben.

Am neuen Binderholz-Standort in Live Oak, Florida, entstehen Jobs für 250 bis 300 Mitarbeiter.
© Binderholz

Fügen, Live Oak – Seit vergangener Woche zählt das Tiroler Holzunternehmen Binderholz weltweit 13 Standorte: fünf in Österreich (davon mit dem Hauptsitz Fügen sowie Jenbach zwei in Tirol), fünf in Deutschland, zwei in Finnland – und erstmals einer außerhalb Europas. Die Binderholz-Gruppe erhielt den Zuschlag für das Sägewerk „Klausner Lumber One“ in Live Oak, Florida. Binderholz setzte sich vergangenen Freitag in einer virtuellen Auktion gegen Unternehmen wie Mercer aus Deutschland und das österreichische Sägewerk Mayr-Melnhof Holz durch und erhielt den Zuschlag um 61 Millionen US-Dollar. Eine laut Branchenkennern überraschend hohe Summe.

Für Reinhard Binder, Binderholz-CEO, hat der Schritt in die USA strategische Gründe: „Wir sehen den amerikanischen Massivholzmark als strategischen Ziel- und Wachstumsmarkt für die Binderholz-Gruppe. Die USA sind der mit Abstand größte Holzverbraucher der Welt – mit einem steigenden Bedarf.“ Im Jahr 2019 wurde die Binderholz Timber Inc. in den USA gegründet, heuer sollen die Vereinigten Staaten zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für das Fügener Unternehmen werden. Anvisiert seien über 450.000 Kubikmeter gehobelte Produkte und ein Umsatz von rund 170 Millionen Euro.

Binder: „Der Kauf einer eigenen Produktionsstätte auf dem mit Abstand größten Weltmarkt für Massivholz war daher der nächste logische Schritt. Wir wollen unser erfolgreiches Geschäftsmodell auch in den USA weiterentwickeln.“ Über Binderholz Timber Inc. verfüge man schon jetzt über ein gutes Netzwerk und Kundenkontakte in die USA. Nun wolle man die Präsenz verstärken. Derzeit sind Österreich, Deutschland und die Schweiz die wichtigsten Märkte für das Unternehmen.

Aus Klausner-Konkursmasse übernommen

Binderholz will die Produktion in Florida spätestens gegen Ende 2020 wieder aufnehmen. Mit dieser Übernahme werden in den Werken der Binderholz-Gruppe künftig knapp sieben Millionen Festmeter Rundholz verarbeitet. Aus den vier Millionen Kubikmetern Schnittholz sollen dann annähernd drei Millionen Kubikmeter Massivholzprodukte hergestellt werden.

Das Sägewerk „Klausner Lumber One“ in Florida gehörte zuvor der Tiroler Klausner-Gruppe. Mitte April wurden in Innsbruck Konkursverfahren gegen mehrere Unternehmen der Gruppe eröffnet, das einst zu den größten Holzindustrieunternehmen in Europa zählte. „Klausner Lumber One“ hatte Ende April mit mehr als 100 Millionen Dollar Schulden US-Gläubigerschutz beantragt. Das Werk in Florida wurde damals auf 140 Millionen US-Dollar geschätzt, berichtete das US-Nachrichtenportal Law360. (ritz)


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