KTM nach Spielberg-Heimsieg im siebenten Himmel

Zwei denkwürdige Renn-Wochenenden hat die Motorrad-WM in Spielberg erlebt. Nach dem unfallträchtigen GP von Österreich folgte beim Großen Preis der Steiermark ein geschichtsträchtiger MotoGP-Heimtriumph von KTM, nach dem der Motorradbauer aus Oberösterreich im Siebenten Himmel war. Nach fünf Siegen in Serie zu Ende ging hingegen die Ducati-Vorherrschaft in Österreich.

Dass dies Miguel Oliveira vom Satellitenteam Tech3 und nicht KTM-Werksfahrer Pol Espargaro schaffte, daran war der Spanier selbst schuld. Aus der Premieren-Pole lag Espargaro vor der letzten Runde in Front, öffnete durch einen kleinen Fehler in Kurve drei aber die Tür für Jack Miller, und am Ende war Oliveira in der letzten Kurve der lachende Dritte.

Die MotoGP bewies auch am Sonntag wieder einmal, dass sie die aufregendste und spannendste Motorsportserie der Gegenwart ist. Das sah auch August „Gustl“ Auinger so. „Auf Asphalt macht ihr keiner die Nummer-eins-Position streitig“, ist der ehemalige Grand-Prix-Pilot überzeugt.

Dass die Motorrad-WM aber auch die gefährlichste Serie ist, war auf dem Red Bull Ring ebenfalls nicht zu übersehen. „Es war zu hundert Prozent reines Glück. Schon nur 95 Prozent hätten nicht gereicht“, ist Auinger überzeugt. Der langjährige Wahl-Steirer weiß, dass man am 16. August 2020 nur um Millimeter an einer Katastrophe vorbei geschrammt ist, nachdem Maverick Vinales und Valentino Rossi von den 160 km/h schnellen Bikes gestürzter Fahrer nur hauchdünn verfehlt worden waren.

Nach fünf Rennen der coronabedingt verkürzten Saison geht Fabio Quartararo mit 70 Punkten als knapper Führender vor Andrea Dovizioso in die Pause bis zum nächsten WM-Doppel im September in Misano. Es ist die geringste Punkteanzahl eines MotoGP-Leaders seit 2006. Mit vier verschiedenen Siegern und elf unterschiedlichen Fahrern auf dem Podest ist offensichtlich, dass die WM der Königsklasse ausgeglichen ist wie schon lange nicht.

Das hat neben den neuen Michelin-Reifen auch mit dem Fehlen von Andrea Iannone (Doping), Francesco Bagnaia (Beinbruch) und vor allem Serienweltmeister Marc Marquez zu tun. Letzterer ist nun fix aus dem WM-Rennen 2020, weil er wegen seiner Schulterverletzung gleich mehrere Monate pausieren muss.

KTM ist so oder so in der MotoGP angekommen. Die Siege von Brad Binder in Brno sowie Oliveira in Spielberg plus die erste MotoGP-Pole durch Espargaro nehmen dem Team aus Mattighofen bzw. Munderfing freilich nun auch die sogenannten „concession points“. Und damit einige Vorteile, die Newcomern in der MotoGP zugestanden werden. Glück für KTM ist aber, dass wegen Corona die Entwicklungen eingefroren wurden und die offenbar sehr gelungene RC16 deshalb auch 2021 leichte Vorteile haben sollte.

Dann wird Oliveira nicht mehr für Tech3 fahren, sondern auf der Werks-KTM sitzen. Der Portugiese ersetzt im nächsten Jahr bekanntlich Espargaro, der zu Marquez ins Honda-Team wechselt. Oliveira ist angehender Zahnarzt, auch wenn das Studium wegen der Motorrad-Erfolge auf Eis liegt. Neben dem „Doktor“ Rossi hat die MotoGP damit einen weiteren „Arzt“. Oliveira trägt den Spitznamen „The Dentist“.

Immer mehr zum Streitpunkt werden in der Motorrad-WM die sogenannten Track Limits. Das Überfahren der Streckenbegrenzungslinien wird von den Stewards mit dem Streichen der Rundenzeiten bzw. in der letzten Runde mit der Rückversetzung um eine Position geahndet. Für viele Piloten geht man dabei zu inkonsequent vor.

Während etwa Jorge Martin deshalb am Sonntag in der Moto2 seinen zweiten Spielberg-Sieg in Folge verlor, behielt Espargaro Platz drei in der MotoGP, obwohl er in der Schlusskurve ebenfalls bis in den grünen Bereich geraten war. Das ärgerte vor allem den viertplatzierten Joan Mir.

„Martin hat das Rennen nicht gewonnen, weil er von der Strecke abgekommen ist, ohne davon einen Vorteil zu haben. Pol ist sogar bewusst dort hinaus gefahren und hat Vollgas gegeben. Ich sehe keinen Sinn, dass er nicht bestraft wird“, trauerte der Mallorquiner einem Podestplatz nach.


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