Impfstoff: Optimismus und Skepsis

Die Frage einer schützenden Impfstoffe überragt die Zukunft der SARS-CoV-2-Pandemie. Clemens Auer, nunmehriger „Sonderbeauftragter“ des österreichischen Gesundheitsministeriums, erwartet Ende des Jahres vermarktbare Vakzine. Experte Erich Tauber, sein Wiener Unternehmen Themis ist in der Entwicklung aktiv, äußerte in einer Diskussion bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen Montag skeptisch.

Er, Auer, würde schätzen, dass, wenn die EMA (europäische Zulassungsagentur für Arzneimittel; Anm.) und die Pharmaindustrie ihre Aufgaben erfüllten, „Ende des Jahres ein vermarktbarer Impfstoff zur Verfügung steht.“

Etwas anders sah das Erich Tauber von dem Wiener Biotech-Unternehmen Themis Bioscience, das auf der Basis von Masernviren-Vehikeln an einem Covid-19-Impfstoff arbeitet und von Merck, Sharp & Dohme (MSD) übernommen worden ist. Die Entwicklung von (Covid-19-)Impfstoff sei durch die nunmehr vorhandenen technologischen Möglichkeiten zwar potenziell erheblich beschleunigt worden, doch: „Wir schauen da auf die Produktion von Hunderten Millionen Dosen. Wir reden von 16 Milliarden Dosen.“ MSD als Impfstoffhersteller schaffe bisher für alle seine Vakzine im Jahr rund 190 Millionen Impfstoffdosen.

Bei der Influenza-Pandemie 2009/2010 hatte Österreich einen Vorvertrag mit dem damaligen Impfstoffhersteller Baxter in Wien auf die Lieferung von 16 Millionen Dosen Impfstoff abgeschlossen. „Bis Ende November (2009; Anm.) steht Impfstoff für 800.000 Menschen zur Verfügung.“ Sollte der Bedarf größer sein, werde nachbestellt, wurde Auer, damals Sektionsleiter im Gesundheitsministerium, im Wiener „Kurier“ zitiert. Doch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Das damals verwendete Impfstoff-Virus vermehrte sich in den für die Antigenproduktion in Säugetierzellen nicht ausreichend stark, wodurch die Ausbeute im Produktionszyklus für große Mengen zu gering war.

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„Wir sprechen von einer Milliarde Dosen an Vakzinen“, sagte Auer am Montag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen. Der Jurist ist im Rahmen der EU an den Verhandlungen mit den potenziellen Impfstofflieferanten an vorderer Stelle beteiligt. „Wir versuchen unser Bestmögliches, Vakzine (in der EU-27; Anm.) erhältlich zu machen. (...) Wir sind der größte Markt“, erklärte der Experte. Da man aber derzeit nicht wissen könne, welche Vakzine bzw. welche Technologie wirklich Zulassung bzw. Markteintritt schaffen werde, gebe es derzeit für die EU ein Erfordernis: „Das zwingt uns, zu überbuchen.“

Bezüglich des Preises für die Vakzine erwartet Auer moderate Forderungen. Mehrere potenzielle Hersteller hätten bereits Preise im Rahmen der Herstellungskosten und eines Aufschlages („ein bisschen mehr“) angeboten. Zu den Unternehmen mit „fairen“ Angeboten zählten AstraZeneca (Entwicklung mit der Universität Oxford) und Johnson & Johnson (Janssen-Cilag).


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