„Habe mich nicht mehr gefreut“: Buch über Depression und Burnout

Ein ehrliches Buch über Depression und Burnout hat Ex-Parteimanagerin Christine Mayr geschrieben.

Heute nimmt sich Ex-Parteimanagerin Christine Mayr untertags einfach Zeit für einen Kaffee. Früher hätte sie sich das nicht gestattet.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – „Ich glaubte, ein Weichei, ein Schwächling, Schwammerl, vollkommen unfähig zu sein“, sagt Christine Mayr, ehemalige Pressesprecherin der Grünen, der SPÖ und SP-Tirol-Landesgeschäftsführerin, und damit über Jahre im politischen Geschäft. Stress, fehlende Wertschätzung, Chefwechsel im Zwei-Jahres-Takt, desaströse Wahlergebnisse – irgendwann wird alles zu viel und die Parteimanagerin bricht zusammen. Ob es ein Burnout oder Depressionen sind, sollte sich erst während Mayrs Auszeit klären. Vor rund drei Jahren zog sie die Notbremse. Schon zuvor hatten sich die Anzeichen gehäuft, dass etwas in ihrem Leben nicht mehr rundlief. „Als ich mich nicht mehr auf die Wochenenden gefreut habe. Als ich nicht mehr gewusst habe, was ich mit freier Zeit anfangen soll. Als ich jeden Sonntagabend geheult habe, weil ich mich vor dem Montag so gefürchtet habe“, da sei klar gewesen, es müsse sich etwas ändern.

Beim Gesundwerden geholfen habe das Tagebuchschreiben. Daraus wurde ein Buch. „Aufschreiben zwingt nämlich – wie das Laut-Aussprechen – die irrlichternden Gedanken in eine Ordnung“, sagt Mayr. „Das war vor allem am Anfang wichtig, als es in meinem Kopf permanent rundgegangen ist.“ Ganz oft habe sie auch „einfach in das geduldige Heft Wortfetzen hineingerotzt und hineingekotzt“.

Pointiert beschreibt die ehemalige politische Beraterin ihre Arbeitswelt in der Parteizentrale, die toxischen Mechanismen von politischer Macht, Ausstieg und Neustart. Ambitionierte Berufstätige werden manches wiedererkennen. (ver)

Buchtipp

Du machst das schon. Christine Mayr, BoD, Norderstedt.

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