Impfungen haben gegriffen: Afrika hat Polio besiegt, Pakistan kämpft noch

Es ist ein großer Erfolg für Afrika: Das Virus, das Kinderlähmung auslösen kann, ist ausgerottet.

40 Millionen Kindern in Pakistan fehlt heuer noch die wichtige Schutzimpfung gegen die Kinderlähmung.
© AFP

Genf – Nach Jahrzehnten des Kampfes ist Afrika frei von wildem Polio. Die unabhängige Africa Regional Certification Commission (ARCC) erklärte am Dienstag, dass der Wildtyp des Poliovirus ausgerottet sei. „Heute ist ein historischer Tag für Afrika“, sagte die Leiterin der Kommission, Rose Leke. Dies ist der WHO zufolge erst das zweite Virus, das auf dem Kontinent ausgerottet wurde, nach den Pocken vor rund 40 Jahren. „Nun müssen wir Polio endgültig beenden“, sagte die Leiterin der WHO in Afrika, Matshidiso Moeti.

Denn noch gibt es die extrem seltenen Fälle von Polio, die durch den Lebendimpfstoff ausgelöst werden können. Dieses günstige und hochwirksame Präparat wird aber nur noch in Ländern eingesetzt, wo es um die Ausrottung geht. In Europa wird es nicht mehr empfohlen, hier reicht der Totimpfstoff.

Der weltweite Kampf gegen das wilde Poliovirus ist allerdings noch nicht beendet. Es kommt nach wie vor in Afghanistan und Pakistan vor. „Wir haben bedeutende Fortschritte gemacht, konnten aber leider keine Polioausrottung im Land erreichen“, sagte der Koordinator in Pakistan, Rana Safdar. In dem Land wurden in diesem Jahr bisher 67 Fälle mit dem Polio-Wildtyp bestätigt, in Afghanistan 37.

Der Kampf gegen Polio ist dort besonders schwer wegen Islamisten, die die Verschwörungstheorie verbreiten, der Westen wolle muslimische Kinder sterilisieren. Immer wieder werden Impfkampagnen von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet. In diesem Jahr erschwerte vor allem die Corona-Krise die Arbeit: Wegen der Pandemie wurden in beiden Ländern Impfkampagnen ausgesetzt, alleine in Pakistan fehlte dadurch Schätzungen zufolge rund 40 Millionen Kindern die wichtige Schutzimpfung gegen die Erkrankung. Nun soll das Programm wieder aufgenommen werden, bis Dezember seien monatliche Impfkampagnen geplant, hieß es gestern. Und so glaubt Michael Galway, der stv. Leiter des Polio-Programms bei der Gates Foundation, dass wildes Polio auch hier innerhalb der nächsten drei Jahre ausgerottet werden kann.

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Polio galt jahrzehntelang als eine extrem große Bedrohung für Kinder weltweit. Die Krankheit greift das Nervensystem an und kann innerhalb von Stunden zur Lähmung führen, vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren sind betroffen. (sta, dpa)


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