Reine Freude am Klangerlebnis: Neues Soloabum von Lukas Lauermann

Nicht wildes Experiment, sondern klare Kompositionen: Das zweite Soloalbum des Cellisten Lukas Lauermann erscheint am 18. September.

Eine erste Improvisationssession fand im Wiener Untergrund statt: Lukas Lauermann veröffentlicht mit „IN“ seine zweite Soloplatte.
© Julia Haimburger

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Alles begann mit einer Session im Kabeltunnel. Dort, im Untergrund Wiens, baute Lukas Lauermann ein temporäres Studio auf, packte das Cello aus, Stimmgabeln, Synthesizer, Klavier, Aufnahmegeräte. Klänge, einzeln, kombiniert und übereinandergelegt, strömten in den Tunnel und sollten dort „Musikmöglichkeitsräume eröffnen“, erklärt der Cellist und Komponist im Gespräch.

Für sein neues Soloalbum „I N“, das am 18. September offiziell erscheint, war Lukas Lauermann auf der Suche nach bisher unerforschten Klangräumen. Deshalb auch der Abstecher in den Untergrund, in dem er die erste Phase des Album, ein erstes Improvisieren dokumentierte. Für das finale Werk, das der 35-Jährige am 15. Oktober im Konzerthaus Wien und im November und Jänner nächsten Jahres dann auch in Tirol präsentieren wird, wechselte er ins Studio. Wie schon das Debüt „How I Remember Now I Remember How“ entstand die neue Platte hauptsächlich in seiner Geburtstadt Wien.

Zeit für seine Musik bleibt ihm in jenen kleinen Zeitfenstern, in denen der Musiker nicht auf Tour ist. Aktuell ist Lauermann mit Donau­wellenreiter (am 28. und 29. August im Zeughaus bzw. Treibhaus) unterwegs, kooperiert mit Alicia Edelweiss, aber auch Tocotronic, Nino aus Wien, Soap&Skin und Andr­é Heller baten bereits um seine Unterstützung.

Die Einflüsse auf die eigen­e Musik sind ähnlich vielfältig wie die Projekte, in denen Lauermann schon mitgewirkt hat. Klassisch geprägt und ausgebildet scheut der Cellist aber auch Ausflüge in den gefälligeren Pop nicht.

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„I N“ selbst tänzelt leichtfüßig auf dieser eigentlich nicht existenten Grenze zwischen E- und U-Musik. Die 21 Nummern sind vielseitig, keine wilden Experimente, sondern klug­e, klare, oftmals reduzierte Kompositionen bestimmen das Werk. Nach dem epischen, melodischen Einstieg mit „trusion/clusio­n“, beginnt eine Suche nach klanglichen Lösungen, bei denen Lauermann das Cello und der klassische Klangspektrum nicht mehr ausreicht: In „ceptio­n, clue“ werden Klavier und Synthesizer herangezogen, Töne elektronisch erweitert, vervielfältigt, zu einem Kreislauf verbunden.

Übrig bleibt das Fragment, reizvolle Atmosphären (etwa bei „here“ oder „true“), das Aufzeigen eines Weges, der an anderer Stelle vielleicht weitergeführt wird. Erst beim Wiederhören tun sich dem Hörer klangliche Themen auf, die Lauermann wieder aufgreift und technisch weiterspinnt.

Bediente er sich bei seinem Debüt noch bei Texten als Gedankenanstöße und „Absicherungen“, so ist „I N“ die rein­e Freude am Klangerlebnis. „Das Album ist sowohl ein In-sich-Gehen als auch Input von auße­n“, erklärt Lauermann.

So bald wie möglich will Lauermann „I N“ nun auch live präsentieren; erste Termine sind geplant, Corona-bedingt wird sich die Tour bis 2021 ziehen. Außerdem gibt es einiges nachzuholen, etwa mit Donauwellenreiter, aber auch abseits der Bühne. So arbeitete er für den Österreichischen Pavillon der Architekturbiennal­e gemeinsam mit beteiligten Architekten an einem Soundtrack. Ab Mai 2021 wird er in Venedig zu hören sein.

Neue Musik

Lukas Lauermann: IN. col legno.


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