Keine Einigung bei Swarovski: Kristall-Kampf geht in Verlängerung

Der Streit im Kristallkonzern Swarovski geht weiter: Die gestrige Gesellschafter-Versammlung brachte keine Einigung. An die 400 Beschäftigte protestierten mit einer Mahnwache gegen einen Kahlschlag in Wattens.

Im Vorfeld der Swarovski-Gesellschafterversammlung hielten die Beschäftigten in Wattens eine Mahnwache gegen den geplanten Stellenabbau ab.
© Thomas Böhm

Von Alois Vahrner

Wattens – Bereits im Vorfeld der gestrigen Gesellschafter-Versammlung flogen im Familienkonzern die Funken, neben der Belegschaft und der Politik protestierten auch mehrere Familienmitglieder öffentlich gegen die radikalen Umbaupläne und den befürchteten Abzug der Konzernzentrale samt Kahlschlag in Wattens.

Gestern Früh demonstrierten an die 400 Beschäftigten vor Sitzungsbeginn gegen die massiven Umbaupläne. Wie berichtet, sollen insgesamt 1800 der vorher 4800 Beschäftigten in Wattens (heuer 1200, dann 600 weitere 2021/22) abgebaut werden. Mit der befürchteten Verlagerung der Zentrale in die Schweiz und einem Aus der Kristallkomponenten-Massenproduktion sehen viele aber den Standort Wattens in Gefahr.

Mitglieder der Swarovski-Familie tauschten sich im Vorfeld mit den Demonstranten aus.
© Thomas Böhm

Die Mitarbeiter zogen still und mit Schutzmasken ausgestattet vom Portier der Swarovski-Zentrale über die Swarovskistraße zum Haus Marie Swarovski, wo die Versammlung stattfand. Auf Plakaten waren Aussagen wie „Wir sind Swarovski“ oder „Bitte sagt Nein zum Wegzug“, „Kein Macht-Poker auf dem Rücken der Belegschaft“ oder „Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht“ zu lesen. Vor dem Tor zum Haus Marie Swarovski sprachen einige Swarovski-Familienmitglieder mit den Beschäftigten. Nadja Swarovski, die dem Machtkampf offenbar auch selbst zum Opfer gefallen ist und nur noch formal in der obersten Geschäftsführung sitzt, meinte: „Wir stehen für Wattens.“ Und Daniel Swarovski sagte: „Wir wollen, dass Wattens absolut abgesichert ist.“

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📽️ Video | Mahnwache bei Swarovski

Die beiden haben offenbar in der Versammlung der 75 Gesellschafter wie auch eine Reihe anderer Familienmitglieder gegen die Pläne der Unternehmensspitze rund um Vorstandschef Robert Buchbauer und auch der größten Aktionärsgruppe rund um Markus Langes-Swarovski gestimmt. Erforderlich wäre aber praktisch Einstimmigkeit gewesen.

Die „Familiengruppe“ rund um ihren Sprecher Paul Swarovski sprach von einer Abstimmungsniederlage der Geschäftsführung. Die auf der Tagesordnung gestandene „Genehmigung der Einbringung“ des Wattener Betriebes des Geschäftsbereiches Kristall unter das Dach einer Schweizer Holding sei erfolgreich verhindert worden – und damit auch die den Eigentümern vorgelegte Variante einer Strukturreform. Laut Paul Swarovski sind Veränderungen an der Struktur und Einsparungen sehr wohl nötig, Wattens dürfe aber nicht nur „Hauptstandort“ bleiben, sondern auch Unternehmenszentrale und Ort der Kristallkomponenten-Produktion für B2B-Geschäft. Man habe dazu „sinnvolle und machbare alternative Vorschläge“ vorgelegt.

Auch Arbeiterkammer-Chef Erwin Zangerl (Mitte) wohnte dem Demonstrationszug bei.
© Thomas Böhm

Swarovski-Vorstandschef Robert Buchbauer deutete die turbulente Sitzung anders. Geschäftsführung, Beirat und die überwiegende Mehrheit der Gesellschafter würden „den eingeschlagenen Weg vollumfänglich und -inhaltlich mittragen“. An den Plänen für die Neuausrichtung des Konzerns werde festgehalten, die neue Organisation, Strategie und Struktur sollen bis Jahresende fixiert werden. „Unsere Botschaft an alle, die um den Standort Wattens fürchten, ist eindeutig: Wattens verliert weder an Status noch Bedeutung und ist essenziell für den Neustart von Swarovski.“

Tirols Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser sieht eine teils zu „hitzige und unfaire Diskussion“ sowie „Klassenkampf-Rhetorik“ rund um Swarovski. Er habe großes Vertrauen in die Unternehmensführung, der das große Erbe und die Verbundenheit mit Tirol sehr wohl bewusst sei. Der Umbau von Strukturen sei eine unternehmerische Notwendigkeit. Man müsse versuchen, die Folgen möglichst abzufedern.


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