„Telfer Blut“: Eklat in Telfs um Antrag im Gemeinderat

Die Überschrift eines Antrages dürfte Gemeindevorständin Mader die Zugehörigkeit zur ÖVP-Fraktion im Telfer Gemeinderat kosten.

Das Rathaus in Telfs.
© Domanig

Telfs – Mit einer Anfrage zu den herrschenden Verhältnissen bei den Gemeindewerken Telfs (GWT) und einem Antrag zur Ablösung des Geschäftsführers sowie der Neubesetzung des Postens durch einen Telfer hat ÖVP-Gemeindevorständin Angelika Mader am Donnerstag für einen Eklat im Gemeinderat gesorgt. Immerhin hatte sie ihren Antrag unter dem Titel „Telfer Blut – für Telfs heißt aus Telfs“ gestellt. Die Empörung in der Sitzung war groß – schließlich erinnert die Formulierung an die Nazi-Diktion von „Blut und Boden“.

Gestern reagierten Orts- und Landes-ÖVP und forderte Konsequenzen. Mit dem Antrag „Telfer Blut“ habe Mader eine Grenze überschritten, so ÖVP-Gemeindeparteichef Johann Ortner. „Wer sich einer solchen Sprache bedient, dem fehlt entweder jede historische Sensibilität, oder aber er möchte bewusst provozieren.“ Beides sei inakzeptabel. „Ich fordere Mader deshalb auf, die ÖVP-Gemeinderatsfraktion umgehend zu verlassen“, so Ortner. Auch ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun verurteilte die Formulierung scharf: „Ich erwarte mir, dass Mader von sich aus die Konsequenzen zieht und aus der Fraktion ausscheidet.“

Mader selbst erklärte gestern gegenüber der TT, dass sie keinesfalls im Sinn gehabt habe, den Antrag im Nazi-Jargon zu formulieren. Ihr sei dieser Zusammenhang erst gestern bei der Internet-Recherche bewusst geworden. „Ich entschuldige mich, es tut mir sehr leid“, so Mader. Sie habe mit der Überschrift lediglich auf das Herzblut jener ehemaligen GWT-Mitarbeiter und derer Familien anspielen wollen, die in den vergangenen eineinhalb Jahren unter dem jetzigen Geschäftsführer gekündigt und durch Nicht-Telfer ersetzt worden seien.

Auch wenn Mader gestern persönliche Konsequenzen ausschloss, gab es am Donnerstag dennoch einen Abgang. GR Vinzenz „Vitz“ Derflinger (ÖVP) erklärte seinen Rücktritt und verließ den Saal. Als Hauptgrund für den Rückzug, der selbst seine Fraktionskollegen überraschte bis schockte, nannte Derflinger – früher Obmann der Personalvertretung der Telfer Gemeindebediensteten – den „Umgang mit den Mitarbeitern“ bei den GWT. „Eine Situation wie unter der jetzigen Führung“ habe er jedenfalls „nie erlebt“.

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GWT-Geschäftsführer Dirk Jäger sieht die Sachlage völlig anders: „Als mir bekannt wurde, dass von einzelnen Mitarbeitern unserer Firma ohne offizielle Abrechnung wiederholt in falsch verstandener ,Nachbarschaftshilfe‘ Installationsarbeiten durchgeführt worden sein sollen, musste ich entsprechend reagieren.“ Es gehe um „großangelegten Arbeitszeitbetrug und Falschbeurkundung“. Derzeit sei es ein schwebendes Verfahren – aber sollte von unabhängiger Seite festgestellt werden, dass die Vorwürfe stimmen, „muss es personelle Konsequenzen geben“. Auch wenn es sich um langgediente Mitarbeiter handle, könne er nicht anders handeln. (np, md)


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