Von der Innsbrucker Waldorfschule direkt an die Universität

Mit einem neuen Zertifikat gelangen Innsbrucker Waldorfschüler künftig unmittelbar zur Hochschulreife – ein Schulwechsel ist nicht mehr nötig.

Das „Certificate of Steiner Education“ wurde bisher schon an vier Waldorfschulen in Österreich vergeben – ab diesem Schuljahr ist es auch an der Freien Waldorfschule Innsbruck so weit.
© Verein für Waldorfpädagogik

Innsbruck – Ein lang gehegter Wunsch vieler Eltern und Schüler an der Freien Waldorfschule Innsbruck geht in Erfüllung: Beginnend mit dem neuen Schuljahr wird es erstmals möglich, die Hochschulreife direkt an der Waldorfschule zu erwerben.

Mit dem „Certificate of Steiner Education“ (CSE), entwickelt und lizensiert durch den „Steiner Education Development Trust“ in Neuseeland, sei es gelungen, ein Matura-Äquivalent zu schaffen, das auf dem internationalen Lehrplan der Waldorfschulen beruht, erklärt Eva Zipperle-Mirwald vom Öffentlichkeitsarbeits-Team des Vereins der Waldorfpädagogik Tirol. Somit könnten alle Elemente, die jetzt schon Teil der Waldorfpädagogik in der Oberstufe sind, erhalten bleiben: Jahresarbeit, Praktika, künstlerische Schwerpunkte, Theater und Musik hätten dabei einen gleichberechtigten Stellenwert neben den „klassischen Fächern“.

Das CSE sei aber eine neue „Zähl- und Dokumentiermethode“: Drei Jahre lang, von der 10. bis zur 12. Klasse, gilt es für die Schülerinnen und Schüler, eine bestimmte Zahl an „Credits“ zu sammeln, also vorgegebene Anforderungen zu erfüllen. Jährlich wird, zusätzlich zum Jahreszeugnis, ein Zertifikat ausgestellt, das genau das bescheinigt. „Gemäß dem Lissabonner Abkommen können Schulabschlüsse weltweit anerkannt werden“, führt Zipperle-Mirwald aus. Somit ermöglicht das über drei Jahre hinweg erworbene Zertifikat vollen Hochschulzugang. Zwei Lehrerinnen der Oberstufe betreuen die Einführung in Innsbruck in enger Kooperation mit dem neuseeländischen Träger.

Bisher mussten Waldorfschüler, die die Matura erwerben wollten, für eineinhalb Jahre an ein Gymnasium wechseln, in der Regel an das Innsbrucker Abendgymnasium. „Die Eltern machten sich oft Sorgen, dass ihre Kinder eineinhalb Jahre länger brauchen als an der Regelschule“, sagt Zipperle-Mirwald. Der neue Abschluss erlaubt es nun, nach zwölf Schuljahren zu studieren, eine Lehre verkürzt er um ein Jahr.

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Die Teilnahme am CSE sei nicht verpflichtend, die Klassengemeinschaft mit Schülern, die keine Hochschulberechtigung anstreben, bleibe erhalten, so Zipperle-Mirwald, ebenso der bewährte Kontakt mit dem Abendgymnasium. Derzeit besuchen 160 Schülerinnen und Schüler die Freie Waldorfschule Innsbruck, 42 davon in der Oberstufe. Bislang gab es österreichweit bereits vier Waldorfschulen mit CSE-Abschluss.

Übrigens: Am Freitag, den 11. September, ab 10 Uhr lädt die Freie Waldorfschule Innsbruck (Jahnstraße 5) zum „Quereinsteigertag“. Dieser richtet sich an alle Schüler, die im nun beginnenden Schuljahr in die Waldorfschule um- bzw. einsteigen, sowie an alle interessierten Eltern. (md)


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