Hoffnung auf ausreichend Grippe-Impfstoff für Tirol schwindet

Dass Tirol seine Grippe-Impfdosen aufstocken kann, bewertet der Impfstoffherstellerverband als unwahrscheinlich. Kritik wird laut.

Ein Schild, das heuer bei Apotheken kaum zu finden sein dürfte: Die Nachfrage nach dem Grippe-Impfstoff übersteigt das Angebot.
© thomas boehm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Renée Gallo-Daniel ist Präsidentin des Österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller. Der diesjährige Grippe-Impfstoff ist aktuell sehr begehrt, sagt sie. So auch von Tirol. Wie berichtet, will das Land die für die heurige Influenza-Saison zugeteilten Impfdosen von derzeit in Summe 80.000 auf bis zu 150.000 erhöhen. Das ist auch Corona-bedingt. Die Nachfrage steigt. Weil die Grippeimpfung nicht nur Kindern und Risikogruppen empfohlen wird. Schwere Influenzafälle würden die Krankenhäuser zusätzlich belasten und mitunter Intensivbetten-Kapazitäten binden.

Doch Gallo-Daniel hat schlechte Nachrichten für Tirol: „Es gibt eine verstärkte Nachfrage nach Influenza- Impfstoffen aus allen Bundesländern. Um mehr Impfstoffe zu bekommen, ist man prinzipiell jetzt zu spät dran. Eine Aufstockung der bestehenden Produktionskapazitäten ist unmöglich.“ Den Herstellern würden die jeweiligen nationalen Bedarfsmengen bereits im März gemeldet: „Jetzt noch zusätzliche Mengen zu produzieren, ist unwahrscheinlich.“ Allenfalls müsste Tirol darauf hoffen, dass andere Abnehmer ihre Order adaptieren. Aber auch das sei heuer eher nicht zu erwarten. In der Regel würden bereits jetzt die Planungen für die Grippesaison 2021/22 erfolgen.

Ob des jetzigen zusätzlichen Impfstoffwunsches aus Tirol ans Gesundheitsministerium in Wien kann NEOS-Landeschef Dominik Oberhofer nur den Kopf schütteln. Er verweist – ausgehend von einem pinken Dringlichkeitsantrag – auf eine Entschließung des Landtages Anfang Juli, dass die Regierung Vorsorge für ausreichend Grippe-Impfstoff zu treffen habe: „In Wirklichkeit ist nichts passiert. Dafür muss LH Platter die Verantwortung übernehmen.“ Nun drohe ein veritabler Engpass im Herbst. Oberhofer erinnert daran, dass im Jänner vereinzelt in Tirol Schulen aufgrund von Grippewellen hatten schließen müssen.

Nur eine weitere von zahlreichen Verfehlungen Platters und seines Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg (VP) ortet Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider: „Zwei Monate vor dem Start der Impfungen zu glauben, noch genügend Dosen beschaffen zu können, ist mehr als blauäugig.“


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