Ein „gallisches Dorf“: Karrösten pocht auf Eigenständigkeit

Mit seinen 680 Hauptwohnsitzen ist Karrösten eine von vielen Tiroler Kleingemeinden, die auf ihre Eigenständigkeit pochen.

Für private Bauträger führt kaum ein Weg nach Karrösten: Dagegen sprechen strikte Bauvorschriften.
© Parth

Von Thomas Parth

Karrösten – In der neuen Siedlung in Karrösten oberhalb des Dorfzentrums, quasi am Rücken des Tschirgant, entstehen momentan sechs neue Einfamilienhäuser. 17 Bauparzellen wurden vom Gemeinderat ausgewiesen. Die verbleibenden elf Grundstücke dürften in den kommenden zehn Jahren von Einheimischen bebaut werden. Vor 20 Jahren traf der damalige Gemeinderat Widmungsbeschlüsse, welche noch heute ausreichend private Baugründe bereitstellen. „Diese Flächen werden mehr und mehr bebaut, doch bleibt noch relativ viel an Baulandreserven übrig. Wobei die Gemeinde, bis auf die Siedlung, selbst über kein Bauland verfügen kann“, bestätigt BM Oswald Krabacher.

Obwohl Karrösten direkter Nachbar der Bezirkshauptstadt Imst mit ihren 10.860 Einwohnern ist, stagniert die Zahl der Hauptwohnsitze bei nur 680. „Das ist auch gut so“, unterstreicht Krabacher. Ihm ist die Eigenständigkeit seiner Gemeinde wichtig. Den dörflichen Charakter will der Ortschef unbedingt bewahren. „Wir verwehren uns gegen ungezügelten Zuzug“, lässt Krabacher aufhorchen: „Es kommen immer wieder Ansuchen von Wohnbaugesellschaften, die Wohnblöcke errichten wollen. Unsere selbstgewählten Bauvorschriften stemmen sich dagegen, da sie nur Keller, Erd- und Obergeschoß zulassen. Das macht ein Bauen für private Bauträger uninteressant.“

Im Gemeindehaus des Karröster Gemeindeamts befinden sind sieben Wohnungen. Ab Herbst entstehen im Ortszentrum weitere 16 Wohnungen, errichtet durch dieselbe gemeinnützige Wohnbaugesellschaft. „Einheimische haben bereits vor dem Bau ihr Interesse an den Wohnungen bekundet“, freut sich Krabacher über das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. „So kommen einige junge Leute wieder nach Karrösten zurück.“ Beim Recyclinghof entsteht ein kleines Gewerbegebiet mit 10.000m², wo sich im Herbst zwei Firmen ansiedeln werden. „Mit dem Kanalbau und der Verlegung von Glasfaser-Internet (LWL, Anm.) wird das Gebiet weiter erschlossen“, hat Krabacher einen „Prozess angeworfen“.

Die Herausforderungen für eine Kleingemeinde wie Karrösten liegen im Ausbau und Erhalt der Infrastruktur wie Kanal, Wasser oder auch LWL-Erschließung. „Bei 140.000 bis 150.000 Euro an frei verfügbaren Mitteln kann man da nie weit springen und alle Vorhaben sind von Fördermitteln abhängig. Wobei wir beim Verschuldungsgrad mit nur 17 Prozent aktuell an unterster Stelle der Gemeinden im Bezirk Imst liegen“, attestiert Krabacher. Als Lehrer an der Sportmittelschule in Imst ist mit Oswald Krabacher ein Insider als Schulverbandsobmann am Werk: „Die Musik- und die Sportmittelschule müssen um 5,1 Mio. Euro erweitert werden. Die Mittelschule Imst Oberstadt wird ebenfalls um über 5 Mio. ausgebaut.“ Und auf den Pflegeverband, der sich mit dem Schulverband deckt, kommen 14 bis 15 Mio. Euro für die Erweiterung des Pflegezentrums Gurgltal zu. „Das sind stattliche 25 Mio. Euro, für die sich die Gemeinden im Umkreis eine Finanzierung überlegen müssen“, blickt Krabacher dem Ende seiner Amtszeit entgegen: „Wenn ich mit dieser Periode aufhöre, war ich 40 Jahre im Gemeinderat und davon 24 Jahre lang Bürgermeister.“

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