„La Pellegrina“ bei den Festwochen: Huldigung im Klangfarbenrausch

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"Voz Latina" mit seinen vielen Solo- und Ensembleaufgaben hinter dem Orchester La Chimera. In der Mitte Lichtgestalt Alicia Amo, Sopran.
© Lercher

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Als am prachtliebenden florentinischen Hof der Medici die pompösen Feste gefeiert wurden, sollten bei den Schauspielaufführungen musikalische Zwischenspiele für Abwechslung und Unterhaltung sorgen. Die der Huldigung begierigen Fürsten erkannten die emotionale und überhöhende Kraft der Musik, und so entwickelten sich die Intermedien zum Schwerpunkt der Theaterspektakel.

Das berühmteste dieser Feste, mit seinen sündteuren 14-tägigen Veranstaltungen übrigens gut dokumentiert, fand 1589 anlässlich der Hochzeit von Großherzog Ferdinand I. mit Prinzessin Christine von Lothringen statt. Die besten Komponisten und Sänger des Hofes gestalteten rund um das Schauspiel „La Pellegrina“ in aufwändigen Kulissen großartige Szenen über die Macht der Musik und die Größe des Herrschers. Mehrstimmige Madrigale wechselten zwischen geschlosseneren Szenen, reich verzierten Solostücken und instrumentalen Sinfonien. Die Komponisten Emilio de’ Cavalieri, Giulio Caccini, Cristofano Malvezzi, Jacopo Peri und Luca Marenzio schufen in Kollektivarbeit die musikalisch herrlichsten Intermedii, die es je gab, die Texte stammten von Giovanni de’ Bardi, Ottavio Rinuccini und Laura Guidiccioni. Man befand sich gleichsam am Vorabend der Oper.

Der Lautenist und Ensembleleiter Eduardo Egüez hat die sechs Intermedii mit dem renaissancehaft erweiterten Orchester La Chimera realisiert und bei den Festwochen eindrucksvoll vorgestellt. Der dunkle Gambenkern weitete sich klanglich höchst differenziert und außerordentlich farbenprächtig mit einer großen Lautengruppe, Harfen, verschiedenen Violinen, Violone und Lirone, Cembalo, Orgel, Psalterium, Traversflöte, Pommer, Dulzian, Zinken, Posaunen und Percussion. Den expressiven, koloraturreichen Solostücken liehen Sopranistin Alicia Amo und Tenor Valerio Contaldo ihren Wohlklang und die geforderte Virtuosität.

Die Sänger und Sängerinnen von Wolfgang Kostners Vokalensemble NovoCanto hatten ihren großen Auftritt, erfüllten ihre vielgestaltigen Aufgaben vom Solo über Ensembles verschiedener Größe bis zum vielstimmigen Kollektiv mit enormem Einsatz, Herz und beeindruckendem Können.


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