2500 Jahre alte Felsbilder in der Achenseeregion beleben die Vergangenheit

Die wohl ältesten Ritzungen in Tirols Bergen liegen gut versteckt in der Achenseeregion. Doch Archäologe Bert Ilsinger ist ihnen auf der Spur.

Die Felsbilder bei Achenkirch sind teils bis zu 2500 Jahre alt. Es finden sich aber auch neuere Ritzungen darunter.
© Ilsinger

Von Eva-Maria Fankhauser

Achenkirch – Er steigt über Stock und Stein, kämpft sich durch steiles Gelände. Seit Stunden ist er unterwegs und durchkämmt das ganze Gebiet. „Da! Da ist etwas“, ruft er euphorisch. Für die einen wirkt es wie eine Kritzelei am Fels. Doch für Bert Ilsinger vom Institut für Archäologien der Uni Innsbruck ist es viel mehr. „Das ist jedes Mal aufs Neue ein absolutes Wow-Gefühl. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich ein Felsbild vor mir habe. Vor allem, weil ich zu dem Zeitpunkt ja noch gar nichts darüber weiß. Ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Ilsinger.

Denn sobald er ein neues Felsbild entdeckt, poppen in seinem Kopf zig Fragen auf: Wer hat das gemacht? Wann ist es entstanden? Warum genau hier? Warum nicht an einer anderen Stelle des Felses? Womit wurde es in den Stein geritzt? „Diese Ritzungen können aus den unterschiedlichsten Gründen genau an dieser Stelle entstanden sein. Weil es vielleicht eine Verweilzone war, weil dort früher eine wichtige Route vorbeigeführt hat oder es als ein Zeichen für einen geheimen Treffpunkt dort platziert wurde“, erklärt Ilsinger. Daher wird auch immer das Umfeld – der Felsbildraum – untersucht.

Felsbilder sind in ganz Tirol zu finden. Teils sind es nur wenige Zeichen oder Jahreszahlen, manchmal Abbildungen von Tieren oder Menschen bei der Jagd. „Heute sind etwa 30 Stellen in Tirol dokumentiert, mit rund 3000 Einzelbildern“, weiß Ilsinger.

Archäologe Bert Ilsinger: „Heute sind etwa 30 Stellen in Tirol dokumentiert, mit rund 3000 Einzelbildern.“
© Ilsinger

Eines hat den Archäologen ganz besonders in den Bann gezogen. Im Bereich Achenkirch und Steinberg am Rofan wurden einige Ritzungen gefunden, darunter befindet sich das derzeit wohl älteste Felsbild: Laut Einschätzung der Experten ist es rund 2500 Jahre alt und in der späten Eisenzeit entstanden. Der dortige Fund sei ein regelrechter „Glücksfall“, da die Buchstaben, angeordnet in Sprachbändern, dem rätischen Alphabet zugeordnet werden können. Solchen Ritzungen nachzugehen, sie zeitlich zu datieren und mehr über ihr Entstehen herauszufinden, das ist für Ilsinger das Größte. „Ich finde das einfach unglaublich spannend“, sagt Ilsinger.

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Immer wieder läutet im Ins­titut das Telefon, jemand hat zufällig irgendwo ein Felsbild entdeckt. Dann macht sich Ilsinger auf den Weg, um herauszufinden, ob es nur neuzeitliche Ritzungen sind oder ob mehr dahintersteckt. „Teils werden alte Felsbilder auch überritzt. Oder es kommen nachträglich weitere Zeichnungen hinzu“, sagt er. Das Schlimmste ist: „Wenn die Leute dann glauben, sie müssen das Gefundene nachritzen, damit man es deutlicher sieht. Aber das macht nur alles kaputt“, erklärt Ilsinger. Denn damit wird das Moos zerstört, das sich in den Kerben gebildet hat. Auch Gipsabdrücke sind schädlich für das Mikrobiotop und somit für die Ritzung. „Das Moos, das dort wächst, schützt die Felsbilder und erhält sie“, sagt Ilsinger. Trotzdem ist er froh über jede Meldung, die von Wanderern, Ortschronisten oder Bergführern.

Einem sehr rätselhaften Felsbild ist Ilsinger in Trins auf der Spur. Er stellt gerade Nachforschungen zum „Fürsten von Trins“ an. „Ein Geheimnis, das ich hoffentlich bald lüften kann“, sagt er.


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