Tirol-Werbung-Chef Phleps im Interview: „Wir brauchen die Regelungen jetzt“

Florian Phleps zeigt sich mit der bisherigen Sommersaison angesichts der Corona-Krise zufrieden und fordert einheitliche Regelungen von der Bundesregierung für den Winter.

Tirol-Werber Florian Phleps ortet eine ungebrochene Betten-Nachfrage in den Bergen.
© Erich Spiess

Minus 14 Prozent bei den Nächtigungen im Juli, im August dürfte das Ergebnis ähnlich ausfallen. Wie schätzen Sie die Sommersaison in Tirol angesichts der Corona-Situation ein?

Florian Phleps: Auch wenn wir ein Minus im Vergleich zum Juli des Vorjahres haben, so sind wir mit diesem Ergebnis angesichts der schwierigen Situation zufrieden. Es ist besser als erwartet. Wir sind mit den Nächtigungen auf einem Niveau wie vor fünf Jahren. Ich denke, der Tiroler Tourismus hat geschickt kommuniziert – auf Basis solider Analysen und zum richtigen Zeitpunkt. Unser Fokus auf die Nahmärkte hat sich bewährt. Besonders freut mich die positive Entwicklung am Heimmarkt Österreich. Wir dürfen nicht vergessen, dass abgesehen von den Reisebeschränkungen für zahlreiche Märkte teilweise auch noch Betriebe geschlossen sind oder geringere Kapazitäten haben.

Bundesländer wie Kärnten und das Burgenland verzeichneten im Juli ein Nächtigungsplus. Haben Seen im heurigen Sommer die Berge geschlagen?

Phleps: Nein, die Nachfrage nach Urlaub in den Bergen ist ungebrochen. Kärnten und Burgenland waren gerade bei den österreichischen Gästen immer schon gefragte Sommerdestinationen. Diese Position hat sich durch den vermehrten Urlaub daheim verstärkt.

Welche regionalen Unterschiede zeichnen sich innerhalb Tirols ab?

Phleps: Besonders herausfordernd ist die Situation für den Städtetourismus. Das gilt in Tirol insbesondere für Innsbruck, wo sich der großflächige Ausfall von internationalen Gästen, Kongressen, Veranstaltungen und Gruppenreisen am stärksten auswirkt. Das gilt aber auch für jene Regionen, wo sich Betriebe auf Geschäftsfelder wie Gruppenreisen spezialisiert haben. Nur am See lässt sich diese Entwicklung nicht festmachen. Denn neben dem Achensee haben im Juli gemessen an den Nächtigungen auch die Tiroler Zugspitz Arena, das Tannheimer Tal, das Pillerseetal und Tux-Finkenberg Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr erzielt.

Besonders herausfordernd ist die Situation für den Städtetourismus.
Florian Phleps (Tirol-Werbung-Chef)

Kann man aus der Sommersaison Lehren für den Winter ziehen?

Phleps: Für uns als Tirol Werbung gilt für den kommenden Winter das Gleiche wie für den Sommer: Wir stellen die aktive Erholung in der alpinen Natur ins Zentrum unserer Kommunikation. Werte wie Freiheit, Gesundheit oder Regionalität, die den Gästen schon bisher wichtig waren, haben durch die Corona-Pandemie nochmals an Bedeutung gewonnen.

Wird der Winter schwieriger zu bewerben sein als der Sommer? Besonders abends spielt sich im Winter ja mehr in Innenräumen ab.

Phleps: Nein, wir haben schon bisher Tirols Angebot zur aktiven Erholung in der alpinen Natur in den Vordergrund gestellt – mit Skifahren, Winterwandern und Langlaufen. Das wird auch im kommenden Winter so sein. Was jedenfalls entscheidend sein wird: österreichweit einheitliche Gesundheits- und Sicherheitsstandards. Die Gesundheit und Sicherheit von Einheimischen, Gästen und den Beschäftigen hat oberste Priorität.

Welche Rolle spielen die Themen Sicherheit und Hygiene bei der Bewerbung des kommenden Winters?

Phleps: Die Themen Gesundheit, Sicherheit und Hygiene werden maßgeblich für den kommenden Winter sein und damit eine wesentliche Rolle in der Tourismuskommunikation einnehmen. Wir müssen alles tun, um die Gesundheit von Einheimischen, Gästen und Beschäftigten sicherzustellen.

Touristiker beklagen fehlende Regelungen für den Winter. Wie schwierig ist es, ohne die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen zu kennen, um Gäste zu werben?

Phleps: Das ist keine leichte Aufgabe. Wir arbeiten daher wie schon für den Sommer mit unterschiedlichen Szenarien. Ich sehe es jedenfalls als wesentliche Aufgabe unserer Bundesregierung, hier einheitliche Regelungen zu schaffen.

Bis wann brauchen Sie die Regelungen?

Phleps: Wir brauchen diese Regelungen jetzt.

Wird die Causa Ischgl aus Ihrer Sicht im kommenden Winter für potenzielle Gäste noch eine Rolle spielen, bei der Frage, wohin der Urlaub gehen soll?

Phleps: Die vielen positiven Rückmeldungen der Gäste während der vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass Tirol als Urlaubsland weiterhin großen Zuspruch erhält. Hier kommt uns der überdurchschnittlich hohe Anteil an Stammgästen zugute. Im Sommer sind das 61 Prozent und im Winter gleich 74 Prozent. Zudem haben wir auf unserem wichtigsten Markt Deutschland die Besuchswahrscheinlichkeit – also die Wahrscheinlichkeit für einen Urlaub – untersuchen lassen. Und dort liegen wir im Vergleich mit unseren alpinen Mitbewerbern hinter Bayern auf Rang zwei. Ich bin daher zuversichtlich, dass die Nachfrage vorhanden sein wird – immer eine stabile Corona-Situation vorausgesetzt.

Das Interview führte Stefan Eckerieder


Kommentieren


Schlagworte