Kein Rütteln am Schutz: „Wolfsfreie Zonen nicht möglich“

Während Tiroler Bauernvertreter die Abschüsse von zwei Wölfen beantragt haben, ist Umweltministerin Gewessler gegen geringeren Schutzstatus.

Das Umweltministerium von Leonore Gewessler will am strengen Schutzstatus für Wölfe in Österreich nicht rütteln.
© APA (dpa/Archiv)

Innsbruck – Bäuerliche Funktionäre und Schafbauern fordern schon seit Wochen eine leichtere Entnahme von Problemwölfen. In Tirol wurden heuer rund 100 Schafe und Ziegen von den großen Beutegreifern gerissen. Die EU-Kommission erteilt einer Änderung des Schutzstatus eine Absage, dennoch erfolgten in der Vorwoche Anträge bei den Bezirkshauptmannschaften auf Abschuss von zwei Wölfen in Landeck und Kitzbühel.

Die Schaffung von wolfsfreien Zonen steht nicht im Einklang mit der FFH-Richtlinie.
Leonore Gewessler, Grüne (Umweltministerin)
Gewessler bekräftigt den strengen Schutzstatus des Wolfs.
© Thomas Böhm

Im Umweltministerium sieht man wie in der EU-Kommission ebenfalls keinen Handlungsbedarf, am strengen Schutzstatus des Wolfs zu rütteln. Die Stellungnahme von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) auf eine Petition des Tiroler ÖVP-Nationalrats Hermann Gahr lässt hier keine Zweifel aufkommen. „Für Exemplare einer streng geschützten Art kann es nur Ausnahmen vom strengen Schutz geben, wenn es keine anderweitige zufriedenstellende Lösung gibt.“ Zugleich müsse die Population im natürlichen Verbreitungsgebiet in einem günstigen Erhaltungszustand sein.

Für die Schaffung von wolfsfreien Zonen sieht das Umweltministerium keinen Spielraum. „Die Schaffung von wolfsfreien Zonen steht nicht im Einklang mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH).“ Gewessler verweist dazu auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom Juni des heurigen Jahres, „wonach unabhängig davon, ob Wölfe sich in ihrem gewöhnlichen Lebensraum, in Schutzgebieten oder aber in der Nähe menschlicher Niederlassungen befinden, sie den Schutz genießen. Ausnahmen wären nur dann zulässig, wenn etwa die öffentliche Sicherheit oder die Volksgesundheit bedroht wäre.“

Das Umweltministerium erinnert die Bauern auch an den Herdenschutz und ihr­e Verpflichtung, Tiere, die vorübergehend oder dauernd nicht in Unterkünften untergebracht sind, so weit wie möglich vor Raubtieren zu schützen. Politisch könnte der Wolf deshalb im Bund und in Tirol zu Konflikten in den schwarz/türkis-grünen Regierungen führen. Die Grünen sind nämlich gegen den Abschuss von Wölfen. (pn)

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